sind offenbar von Venedig beeinflußte Künste, die sich hier lokalisiert erhalten haben;über den Reichtum der vorhandenen, gewiß nur zum Teil mehr geübten Musterungengibt der vierzehn Muster wiedergebende Probestreifen, Fig. 6, überraschenden Auf-schluß. Man hat in letzter Stunde mit Glück versucht, diese schon im Untergangbegriffen gewesene schöne Kunstfertigkeit im Volke von Pago neu zu beleben.
Von den in den dalmatinischen Textilkünsten so sehr hervortretenden Wirk-arbeiten und den Spitzen wird noch an späterer Stelle zu handeln sein. Vollständigkeitin der Übersicht über die eigentlichen Stickereiübungen Dalmatiens ist daran seizum Schlusse noch erinnert in dieser kurzen Darstellung so wenig erreicht undbeabsichtigt, als bezüglich der übrigen betrachteten Volkskunstgebiete. Es kam nurdarauf an, das Wesentlichste herauszuheben und dasselbe in die richtigen kultur-und kunsthistorischen Zusammenhänge, namentlich auch untereinander, zu bringen.Eine Fülle von Untersuchungen hat hier überall erst einzusetzen. Sie werden hoffent-lich den im Obigen gezogenen Grundlinien der vergleichenden Betrachtung folgenund die hauptsächlichen Aufstellungen, die auf Grund des gewissenhaftesten undeindringendsten Studiums eines freilich noch lückenhaften Materiales versucht wordensind, bestätigen und näher ausbauen.
2. Die Wirkarbeiten.
Die Wirkerei ist die führende textile Technik des Altertums gewesen. ImXII. Jahrhundert wieder für unsere Kenntnis auftauchend- wobei es ungewiß ist,ob und welcher Zusammenhang zwischen dieser und der Wirkerei der Alten bestehtentwickelt sich diese Technik bekanntlich zur glänzenden Hochkunst der Gotikund der Renaissance in Europa unter Frankreichs und der Niederlande Führung.Tief unter dem Niveau dieser hochkünstlerischen Leistungen, die mit der Gemälde-kunst zu wetteifern sich vermessen durften, hat sich als anonyme, die längste Zeitvergessene und unbekannte Volkskunst in wirtschaftlich zurückgebliebenen und ver-kehrsarmen Landgebieten Europas, von den Südslawen bis Skandinavien, auch eineeinfache und volkstümliche Art von Wirkerei erhalten, die in ihren Wurzeln mitden orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen und antiken Wirkarbeiten vielleicht Zusammenhang haben dürfte,sicher aber nicht, wie A. Riegl¹) gezeigt hat, erst seit der türkischen Invasionnach Südost- und Nordeuropa gelangte, wie man früher anzunehmen geneigt war.Als ein solcher sporadischer volkstümlicher Wirkereibetrieb vergangener Zeitdie Produktion und die Nachfrage erlahmten um 1830 völlig tritt uns in denAlpenländern die Wirkteppichfabrikation Tirols entgegen, von welcher typische Re-präsentanten auf Tafel 5 abgebildet sind. Sie wurden in S. Siegmund bei Bruneckerzeugt; auch in Innsbruck bestand eine Zeitlang ein solcher Wirkereibetrieb, deraber nach kurzem Bestand einging. P. Paßler, dessen Aufsatz: Aus dem Defereggen-tale( Zeitschrift für österreichische Volkskunde III, S. 151 ff.) diese Mitteilung ent-nommen ist, schildert ausführlich den lebhaften Hausierhandel, welchen die Defereggerim XVIII. Jahrhundert, die sich meist zu mehreren zusammentaten,» im Winter-geschäft( in der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts bildeten sich schonHandelsgesellschaften mit Sommergeschäft) mit diesen Decken und Teppichen trieben,deren feinere Sorten auch in Nördlingen und Nürnberg erzeugt und eingekauft wurden.Fast ganz Europa wurde von diesen Händlern mit ihrer Ware durchzogen. In der1) Altorientalische Glossar ::: zum Glossareintrag Altorientalische Teppiche, S. 8 ff.
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