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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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die kleineren Stallsegenfigürchen des St. Leonhard oder St. Wolfgang u. a. m. DieTauf- und Hochzeitslöffel mit zierlich eingestochenen Bildern verschiedenerHeiligen( Tafel 79, Fig. 1, 3, 4) verdienen ganz besonders hervorgehoben zu werden,da sich der volkskünstlerische Trieb, zu verzieren, hier an besonders dazu unge-schickter Stelle, wenn wir unser Empfinden befragen wollten, nämlich an der Löffel-schale, zu äußern liebte. Auch Wallfahrtsbildchen aus gepreßtem Zinn, sowieAmulette, wie die Sebastianspfeile, das Wolfgangs-hackel u. a. m., sind anzureihen( M. Andree- Eysn,Volkskundliches, S. 6, 15, 25). Von einigem volkskunst-lerischen Interesse sind ferner die in Zinn-, Packfong-und anderen Legierungen hergestellten Zunftzeichenund Zunftschilder( Tafel 114, Fig. 7, 10, 16, 18),welche die typischen Handwerksembleme in Wappen-form mit allerlei wappenmäßigem Beiwerk und zeit-gerechter Umrahmung zur Schau bringen. Zu unserenAbbildungen sind die bei Alois Franz, a. a. O. aufden Tafeln 91-94 beigebrachten ganz ähnlichenExemplare zu vergleichen, womit auch auf diesemGebiete der infolge handwerksmäßiger Erzeugungmangelnde nationale Charakter der Zinnarbeiten fest-gestellt scheint.¹)

Das Kupfer ist früh für Küchenzwecke in Anspruchgenommen worden; die Kuchenmodel, Brotbehälter,Meßgefäße, Wasserkrüge sind im XVI. und XVII. Jahr-hundert auch auf deutschem Gebiet in diesem Metallgearbeitet und mit getriebener oder gravierter Verzie-rung geschmückt worden( Tafel 115, Fig. 6-8). Nochmehr aber ist es der italienische Süden, welcher dieseArbeiten im Haushalt begünstigt. Die Wassereimer mitschönem getriebenen und gravierten Bandornament,meist Blattranken, deren Zeitbestimmung schwierig ist,sind in Istrien, Dalmatien wie in Südtirol überall zuHause( Tafel 116, Fig. 5-6, 8-9). Auch die Räucher-und Glutpfannen, die in dem ofenlosen Wohnhausedes Südens als Wärmespender viel gebraucht wurden,sind zumeist in volkstümlicher Verzierung gehalteneKupferarbeiten( Tafel 116, Fig. 10 und 12).

3. Gefärbte Ostereier.

Fig. 61. Binderschlägel ausZinn.( Rückseite.)

Das farbige, mit Sprüchen und Ornamenten verzierte Osterei, die Gabe derMädchen an die Burschen für fleißiges Tanzen im Fasching, das in der Kirche ge-weihte Symbol der Osterzeit, hat im Volksbrauch ganz Österreichs noch immer seinefeste Stelle. Es ist unter der deutschen Bevölkerung mit figuraler Symbolik undtypischer Spruchpoesie noch immer lebendig, in den Alpenländern wie im Böhmer-

1) Zur Literatur: K. Schirek, Das Zinngießerhandwerk in Mähr en,» Mitteilungen des Mähri-schen Gewerbemuseums«< 1893 und 1894. Dr. E. Braun,» Kunst und Kunsthandwerk« XIII, S. 58 ff.

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