VORWORT.
Mit hoher Genugtuung übergebe ich dies Werk, in welchem die österreichischeVolkskunst zum ersten Male als Ganzes umfassend dargestellt und wissenschaftlichdurchgearbeitet erscheint, der Öffentlichkeit. Es ist die Frucht einer vieljährigen, un-ausgesetzten und eifervollen Beschäftigung mit diesem Gegenstande, dessen hohekulturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Bedeutung heute wohl schon allgemeinanerkannt wird, der aber erst in den letzten Jahrzehnten ernstlich beachtet und ausden Überschüttungen der modernen Fabrikskultur in die volkskundlichen Museengeborgen worden ist.
Das Werk stützt sich in seinen Abbildungen ausschließlich auf das von demVerfasser geschaffene Museum für österreichische Volkskunde, in welchem die un-erschütterlichen Grundlagen für die vergleichende Betrachtung und Erforschung derösterreichischen Volkskulturen in mehr als ausreichender Fülle zu finden sind.
Die kulturwissenschaftliche Bearbeitung des in den Abbildungen gebrachten,überaus mannigfaltigen Materiales im beigegebenen Textbande zieht aber natürlichden gesamten bisher bekannt gewordenen Volkskunststoff in Österreichals erforderlich
heran.
so weit
Es kam dabei ebenso sehr auf die deutliche Charakterisierung der einzelnenösterreichischen Volkskunstgebiete wie auf die Erkenntnis der bestehenden kultur-historischen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen nationalen Kunstproduk-tionen an. Strengste wissenschaftliche Unparteilichkeit hat mich überall geleitet. Esist eine der schwierigsten, aber auch zugleich lohnendsten Aufgaben der vergleichen-den( und ausgleichenden) Wissenschaft, gerade auf diesem den Völkern besondersans Herz gewachsenen Gebiete die nationalen Befangenheiten zu überwinden undan ihre Stelle die kulturgeschichtliche Wahrheit zu setzen.
In Würdigung der wissenschaftlichen und vaterländischen Bedeutsamkeit derdiesem Werke gestellten Aufgaben hat sich das hohe k. k. Ministerium für Kultusund Unterricht veranlaßt gesehen, das Erscheinen desselben durch Gewährungeiner namhaften Subvention zu ermöglichen. Ich spreche dafür auch öffentlich denehrerbietigsten Dank aus. Ebenso haben Seine Durchlaucht der regierende FürstJohann von und zu Liechtenstein, sowie die Herren Philipp Ritter v. Schöller,Anton Dreher und Max Ritter v. Gutmann das Zustandekommen des Werkesmateriell gefördert, wofür diesen großmütigen Freunden des Museums für öster-reichische Volkskunde der ergebenste und wärmste Dank abgestattet sei.
Die k. u. k. Hofkunstanstalt J. Löwy in Wien, welche den Verlag des schwierigherzustellenden Tafelwerkes mit rühmenswerter Bereit- und Opferwilligkeit über-nommen hat, tat trotz schwierigster Verhältnisse bei der photographischen Aufnahme
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