hergestellt werden. Varianten der Bemalung gibt es dabei mehrfach( vgl. Tafel 68,Fig. 1-2).
Auf Tafel 67 sind Fig. 1-3, 4, 7-12 Teller und Schüsseln abgebildet, die sämt-lich im Küstenlande und Istrien aufgesammelt wurden, wo sie sich in den Küchenauf den Tellerborden der Herdmäntel als Stolz der Hausfrauen aufgestellt finden.So viele Abbildungen, so viele Typen und vielleicht auch ebenso viele Erzeugungsorte,die wohl sämtlich in der Friaul und Oberitalien, speziell im Venezianischen, liegen,aber im genaueren noch völlig unaufgeklärt sind. Es muß aber daran erinnertwerden, daß hier nur eine sehr beschränkte Auswahl aus dem gesammelten Materialdes Museums für österreichische Volkskunde gegeben werden konnte, und daß dievorhandenen und zumeist mehrfach belegten Typen weitaus zahlreicher sind.
Es muß einem künftigen Studium in den oberitalienischen Museen und Archivenvorbehalten bleiben, über diese entschieden den Charakter der Volkskunst an sichtragenden bäuerlichen Erzeugnisse Aufklärung zu schaffen und ihre Herstellungsortezu eruieren; desgleichen auch über die mehr fabriksmäßig erzeugten, aber unter derarmen italienischen Küstenbevölkerung in Istrien sehr beliebten und verbreiteten Tellermit in bunten Farben aufgemalten Kostümbildern( Tafel 66, Fig. 2, 3, 12) die näherenNachweisungen beizubringen.
3. Die Kachelkunst.
Wie schon im Eingange des keramischen Abschnittes bemerkt wurde, ist dieOfenkachel eines der häufigsten und volkskünstlerisch bedeutungsvollsten Erzeugnissedes Hafnergewerbes, soweit Ofenbeheizung der Wohnhäuser bestand. Der Kachelofenist eine Schöpfung des allmählich aufblühenden Töpferhandwerks und wohl imXIV. Jahrhundert auf oberdeutschem Boden ausgebildet worden. Das erste sichtbareZeugnis für einen Kachelofen ist ein ehemals bestandenes Freskobild auf einemHause in Konstanz aus der Zeit um 1300. Ohne uns auf die von A. Dachler, DieAusbildung der Beheizung bis ins Mittelalter(» Berichte und Mitteilungen des Alter-tumsvereines zu Wien<, Bd. XL, 1907, S. 154 ff.) und A. v. Walcher,» Kunst undKunsthandwerk XII, S. 310 ff. geschilderte Entstehungsgeschichte des Kachelofensnäher einlassen zu wollen, sei nur festgestellt, daß der mit Topfkacheln aufge-mauerte Ofen des alpinen Bauernhauses keinerlei volkskünstlerische Ausgestaltungerhalten hat, und daß der mit Tafelkacheln umkleidete Ofen, soweit er plastischenSchmuck erfahren hat, erst in sehr später Zeit aus dem bürgerlichen( städtischen)Hause auch in das wohlhabende und bessere Bauernhaus übergegangen ist. DieTschechoslawen haben, wie ihre Wohnanlage und die Bauernhausform nach deutscher,speziell fränkischer Art eingerichtet worden ist¹), auch den Kachelofen vom deutschenHafnergewerbe übernommen, wobei schon frühzeitig charakteristische Umbildungenbesonders nach der dekorativen Seite hin auftreten. Der karpathenländische Herdofen,der in dem Rauchkappenaufsatz unter den Huzulen und Rumänen Kachelverkleidungbesitzt, ist, wie R. F. Kaindl gezeigt hat( Globus, Bd. XCVII, Nr. 7 und 8, S. 127 ff.),ebenfalls auf den Einfluß der deutschen Kolonisten Galiziens und der Bukowina zu-rückzuführen und weist so auch nach seiner dekorativen Seite, wie wir sehen werden,nach dieser Richtung. Im Süden der Monarchie, wo das Rauchhaus und die Kamin-heizung herrschen, fehlt natürlich der Ofen und damit die Kachelkunst gänzlich. Es1) A. Dachler: Das Bauernhaus in Österreich- Ungarn, S. 72.
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