II. Volkstümliche Keramik.
Unter den verschiedenen Gebieten handwerksmäßiger Betätigung, welche zurVolkskunst in innigerer Beziehung stehen, nimmt seit jeher die Keramik eine hervor-ragende Stellung ein. Obwohl kaum bis in mittelalterliche Zeit wirkliches Hauswerk ¹),behielt sie doch, da sie für wichtige und verbreitete Bedürfnisse des Haushaltes zusorgen hat, volkstümlichen Charakter. Durch ihre unmittelbare Beziehung zur Plastikeinerseits und auf dem Wege der farbigen Glasur und Bemalung mit der Malereianderseits in Verbindung, stehen ihr so viele und naheliegende künstlerische Mög-lichkeiten offen, daß die selbst in der primitivsten Glossar ::: zum Glossareintrag primitivsten Töpferei schon auftretenden künst-lerischen Elemente in der ganzen Entwicklung der Keramik immer stärker undstetiger hervortreten.
Im bäuerlichen Haushalt spielen die Erzeugnisse der Hafnerkunst bis ins XVIII. Jahr-hundert keine hervortretende Rolle. Das Holz ist ein viel altertümlicheres, für rück-ständige Wirtschaftsverhältnisse noch lange Zeit maßgebendes Material. Schüsseln,Teller, Nockenschalen, Pfanngestelle, faßartig gefügte Krüge, Flaschen, Becher sindbis auf die letzte Zeit bei der primitivsten Glossar ::: zum Glossareintrag primitivsten Schicht unserer Bevölkerung aus Holzerzeugt worden und stehen teilweise noch immer im Gebrauch. Auch der gemauerteOfen des Bauernhauses hat noch lange die Hafnerarbeit entbehren lassen. Die Er-zeugnisse der Hafnerkunst setzen sich zunächst in den bürgerlichen Haushalten fest,um mit der ökonomischen und sozialkulturellen Hebung des Bauernhauses mehr undmehr auch in dieses Eingang zu finden und hier sich endlich dauerhafter zu behauptenals in dem von Porzellan und Glas eroberten städtischen Haushalt.
Da das Töpfern in der Regel an das Vorkommen reichlicher Lager brauchbarerTonerde gebunden ist, erscheint das Töpfergewerbe, wie schon auf primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Stufenzu beobachten ist³), bereits in frühen Zeiten als Hausgewerbe ganzer Gemeinden, dieneben dem eigenen Bedarf vor allem für den Handel arbeiten. Für das Mittelaltererwähnt M. Heyne das Vorkommen von Töpferdörfern, die nach römischem Vorbildüberall, und vorzüglich im Süden, da gegründet wurden, wo sich verarbeitbare feinereMasse in ausreichender Menge vorfand, und mit Insassen besetzt sind, die neben ihrerLandwirtschaft das Topfmachen mehr oder minder als Nebengewerbe betreiben, undwenn sie genügend Vorrat erzielt haben, diesen entweder an Händler abstoßen oderauch den Verkauf korporativ ausführen, indem sie für gemeinschaftliche Rechnungeinen Wagen bestellen, der die Ware im Lande herumfährt( a. a. O. S. 74). DieNachrichten aus späterer Zeit, dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert, bestätigen vollaufdiese Verhältnisse. ³) In Ungarn, Galizien und der Bukowina dauern sie noch heute1) M. Heyne, Das altdeutsche Handwerk, S. 40 f.
2) H. Schurtz, Das afrikanische Gewerbe, S. 13.
3) Beispiele von Töpferdörfern sind Mooskirchen und Premstetten in Steiermark, Loschitz inMähren, Alwernia, Kópeczynce u. v. a. in Galizien usw.
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