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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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zierungen sind höchst altertümlich: die Würfelaugenmusterung, der Keilschnitt, dasZellenemail, aufgesetzte Perlen- oder Knöpfchenreihen sind die beliebtesten Ziermotive.

Es ist echt volksmäßige Arbeit nach uralten Traditionen, die hier vorliegt, viel-fach von ganz ungelernten Hirten bei der Viehweide ausgeführt. Das umständlicheVerfahren der Anfertigung der Gußformen aus Lehm nach dem aus Holz oder Metallangefertigten Modell und die nachherigen Stadien der Bearbeitung schildert WladimirSzuchiewicz in seinem Werke: Huculszczysna, II, unter Beigabe instruktiver Ab-bildungen auf das ausführlichste. ¹) Auch in dem sechsten Hefte der vom StädtischenMuseum in Lemberg herausgegebenen Ornamente der Hausindustrie( Metallarbeitenruthenischer Bauern[ Huzulen]) findet sich der Gegenstand behandelt. Außer denabgebildeten Schmuckobjekten werden Ohrringe, Stirnbinden, Knöpfe, Klammern,Pfeifenstecher u. a. in gleich primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver Art hergestellt. Blech und Draht aus Messingzu Beschlag-, Flecht- und Einlegearbeit wird an den Hackenstöcken» Ketefy( Tafel 105,Fig. 1-12), an Pistolen und Gewehren in Verwendung genommen.

2. Volkstümliche Metallarbeiten.

Ebensowenig wie die keramischen Erzeugnisse haben die Metallarbeiten mit derbäuerlichen Volkskunst unmittelbaren Zusammenhang. Sie sind immer aus den Händendes Gewerbes hervorgegangen. Eine bäuerliche Volkskunst in Eisen gibt es so wenigals in Kupfer oder Zinn. Der Schmied, der Beckenschläger und Zinngießer sind seitältester Zeit Berufskünstler und schon ursprünglich durch ein von fremdher einge-führtes Kunstgewerbe als Hausgewerbe geschaffen.³)

Am meisten hat noch die Eisenarbeit Beziehungen zur bäuerlichen Wirtschaftund Lebensführung. Das Herdgerät: Feuerbock, Pfannknecht, Dreifuß, Feuerzange,Spaneisen, Kienleuchter usw., sodann nach Aufgabe des primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Holzschlosses seitdem XVI. Jahrhundert die Schlösser und Schlüssel für Türe, Truhe und Kasten, dieTürbänder und Schlüsselschilde, die Türklopfer und Türzieher, die Fenster- und Ober-lichtgitter bürgern sich, den städtischen Formen folgend, seit dem XVII. und be-sonders im XVIII. Jahrhundert wenigstens in den deutschen Alpenländern auch inden wohlhabenderen Bauernhäusern ein und bewegen sich in volkstümlicher Formen-sprache. Das ornamentale Beiwerk, das sich an allen diesen Arbeiten immer mehrentfaltet, hält sich natürlich im allgemeinen in der Stilart der Zeit, nicht ohne jeneVerschiebungen und Verspätungen zu zeigen, die für die Volkskunst überhaupt cha-rakteristisch sind. Eine Anzahl von Proben solcher Eisenarbeiten aus bäuerlichemGebrauch und Besitz von verschiedenen Volksgebieten sind auf Tafel 111, 112, 113und 116 zur Abbildung gebracht. Besonders sei auf die volkstümliche figurale Ver-zierung der beiden Feuerböcke( Tafel 116, Fig. 3 und 7), des Pfannknechtes aufTafel 111, Fig. 26 mit ausgeschnittenen und gravierten Verzierungen³), auf die Tür-bänder und Türklopfer von Tafel 111 mit ihren mannigfaltigen Zierweisen auf-merksam gemacht. Bei letzteren, die schon zu Ende des XVI. Jahrhunderts den Haus-glocken zu weichen beginnen, beobachten wir interessante Zusammenhänge mit den1) Eine Anzahl derselben sind in der» Zeitschrift für österreichische Volkskunde<< VIII, Tafel IV,reproduziert, darunter die Guẞformen.

2) M. Heyne, Das altdeutsche Handwerk, S. 46 f.

3) Andere Motive sind: Doppeladler, Stern, Rosetten, Namen Jesu, Herzkombinationen, derSündenfall; der hauptsächlich in Tirol lokalisierte Typus aus verflochtenem Schnureisen ist echtesvolkstümliches Schmiedewerk des XVI. und XVII. Jahrhunderts.

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