Fig. 57. Gratulationskarte, Niederösterreich.
V. Arbeiten in verschiedenem Material.
1. Volksschmuck.
Wie die Volkstrachten greifen auch die verschiedenen Formen des Volks-schmuckes im allgemeinen auf keine besonders frühe Zeit zurück. Hauptsächlich istes die Mitte des XVIII. Jahrhunderts, welche für die meisten vorkommenden Formendie untere zeitliche Grenze abgibt; darüber hinaus reichen in Tracht und Schmuckrecht wenige Typen.¹) Bei dem engen Zusammenhange, der vielfach zwischen diesenbeiden herrscht, ist die landschaftliche Verschiedenheit der Typen des Volks-schmuckes vollkommen erklärlich; derselbe ist auch als sich forterbendes Familiengutund wegen seiner relativen Kostbarkeit schwerer beweglich als andere Volksgüter, undso wird seine strengere Lokalisierung auch von dieser Seite her beeinflußt und gestützt.Weniger als auf irgendeinem anderen Gebiete der Volkskunst ist gerade aufdiesem Felde im vorliegenden Werke Vollständigkeit angestrebt worden. Erstlichgehört der Schmuck zur Trachterscheinung, die grundsätzlich aus unserem Planeausgeschlossen war; sodann war für die auferlegte Beschränkung auch der äußer-liche Grund maßgebend, daß in dem Werke: Völkerschmuck, mit Einleitung undErläuterungen von M. Haberlandt³), ein größerer Teil des Volksschmuckbestandesim Museum für österreichische Volkskunde bereits Veröffentlichung gefunden hat.Es sei daher zur Rechtfertigung der Lücken in unserer Darstellung des Volks-schmuckes auf das dort gelieferte reiche Material verwiesen.³)
Auf unseren Tafeln 106-110 haben einige altertümliche und volkskünstlerischbemerkenswerte Schmucktypen aus den Alpen-, Sudeten- und Karpathenländern Ab-bildung gefunden: die farbenbunten Brautkronen und Hochzeitszierate der bäuer-lichen Bevölkerung aus Salzburg und dem Böhmerwalde( Tafel 107); Haarkämmeund Haarnadeln der Alpenländer( Tafel 106 und 108), Gürtel der Alpenländer( Tafel 109) und endlich der Messingschmuck der Bojken und Huzulen( Tafel 110).Sie dienen durchwegs der Fest- oder Sonntagstracht und stellen zugleich traditionelleTypen dar, die der Mode nur in geringem Grade oder gar nicht unterworfen waren.Die Brautkrone( Tafel 107, Fig. 1-3) ist vermutlich eine Fortentwicklung desin die frühesten Zeiten zurückreichenden Schapels<, das aus einem Bande, sehrhäufig jedoch aus einem Metallreifen bestand, der bald die Form eines Diadems,bald einer Krone, ja selbst eines Blumenkranzes annahm( Fr. Hottenroth, Trachten1) R. Mielke, Bauernschmuck, I.» Mitteilungen aus dem Museum für deutsche Volkstrachten<«<,Heft 7, S. 300.
2) Verlag von Gerlach& Wiedling, Wien, Bd. 7, des Werkes: Die Quelle.
3) Schmuck aus Oberösterreich und Salzburg auf Tafel 33; aus Südtirol auf Tafel 75; aus Dal-matien auf Tafel 10, 64; aus Galizien auf Tafel 60; Kämme aus den Alpenländern auf Tafel 19.
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