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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
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Fig. 46. Löffelrechen, mit Kerbschnitt verziert, von Zakopane, Galizien.

IV. Volkstümliche Holzarbeiten.

Das Holz ist der wahre und bevorzugte Stoff aller Hirten- und Bauernkunst.Er wächst dem Bauer von selbst auf seinem Grunde¹), ist leicht zu verarbeiten,fordert geringes Werkzeug und keine Handwerksgeheimnisse, und was daraus ge-fertigt wird, hält den Gebrauch gut aus, zerbricht nicht leicht und läßt sich endlichwieder ohne Kosten und Mühe ersetzen. Darum ist der meiste echte Hausrat derBauern aus Holz verfertigt und äußert sich der volkskünstlerische Trieb am liebsten andiesem naheliegenden und fügsamen Material. Die Holzarbeit ist überall Männersache,wie die Herstellung der Textilien( namentlich der Stickereien) Weiberarbeit Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberarbeit ist. Einstwurde das fast durchaus aus Holz bestehende Bauernhaus selbst vollständig vom Be-wohner desselben mit eigener Hand hergestellt, heute ist nur noch in ganz welt-entlegenen Gebieten, unter den Bojken, Huzulen, Rumänen der Landmann selbstder Erbauer seines zumeist aus Holz gezimmerten Hauses. 2) Länger als das Hausselbst aber wurde der Hausrat auch unter unseren Bauern von ihnen selbst mit Beilund Messer angefertigt, bis mit dem Ausgange des eigentlichen Mittelalters( imXVI. Jahrhundert) auch hier die Handwerkerkunst einsetzte, um völlig im Volks-geschmack und in den hergebrachten Formen, jedoch mit fortgeschrittenen Kon-struktionsweisen, das Mobiliar auch des Bauernhauses herzustellen. Der Übergangvon der Hausarbeit zur Handwerkerei ist hier vielfach auf dem Weg der Störarbeiterfolgt; gelegentlich der Herstellung von Brautausstattungen kamen einige Störarbeiterauf eine gewisse Zeit ins Brautvaterhaus; der Bauer lieferte das nötige Holz undhäufig mit seinem Gesinde auch werktätige Beihilfe.) Auf dem Wege der Störarbeiterhielten im XVI. und XVII. Jahrhundert die entlegensten Orte der Alpenländer gegengeringes Entgelt eine reiche volkskünstlerische Ausstattung, zumal die Schlösser undBürgerhäuser, aber auch manche Bauernhöfe¹) wurden damals von den geschicktestenArbeitern auf das prächtigste mit Kunstwerken, Täfelungen und Mobiliar versehen.1) Dem Bauer steht nach dem Gewohnheitsrecht vielenorts ein gewisses jährliches Deputat ausden gutsherrlichen oder Gemeindewäldern zu; Holzfrevel der Schnitzler ist übrigens nichts seltenes.2) A. Dachler, Das Bauernhaus in Österreich- Ungarn, S. 90 f. J. Blau, Die Holzzeit imBöhmerwalde,» Zeitschrift für österreichische Volkskunde« VII, S. 153 ff.

3) F. Zell, Bauernmöbel aus dem bayrischen Hochland, 1899.

4) F. v. Andrian, Die Altausseer, S. 54.- Karl Lacher, Mustergültige Holzintarsien derdeutschen Renaissance, 1889.

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