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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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Załośce herrscht eine ganz andere Musterung und dieselbe läuft ohne Bordüre bisan den Rand usw. Ein jeder Weber behält im ganzen den Haupttypus seiner Gegendbei, hat aber seine eigenen Muster und seine eigene Art, dieselben zu ordnen unddie Farben zu wählen. Diese Muster und die Anordnung derselben gehen vom Vaterauf den Sohn über und haben ihre Lokalnamen. Eine jede Kunde muß die gefärbteWolle selbst mitbringen und kann sich das Muster entweder selbst wählen oderüberläßt das Muster und die ganze Anordnung des Teppichs dem Weber.') ImHaushalte des Ruthenen und in seiner Tracht spielen die Teppiche, Taschen,Schürzen, Gürtel usw. noch immer eine beträchtliche und festliche Rolle und nebender Stubenauszier in Festzeiten dient der Teppich auch als Gabe zum Schmuckeder Kirche. Sie wurden als Familiengut sorgfältig aufbewahrt und wurden frühernur im Notfalle an Fremde veräußert und weggegeben. Ähnliche Verhältnisse bestehenbezüglich dieser Arbeiten unter den Rumänen der Bukowina.³) Ein typischer Teppichdieser Provenienz ist auf Tafel 35, Fig. 1, abgebildet. Zahlreiche Proben von Muste-rungen solcher Typen finden sich bei Minerva Cosma, Ornamente rumänischerHausindustrie( Tafel I-- II).

3. Volkstümliche Spitzen.

Die meisten der textilen Hausfleißarbeiten der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber, welche durch die Sticke-reien traditionellen Ausputz zu erhalten pflegen, sind auch durch geringeren oderreicheren Spitzenbesatz meist eigener, nicht selten aber auch fremder Erzeugungverziert. Die volkstümliche Spitze, wie wir sie in Salzburg, Tirol, Krain, Istrien,Dalmatien und sodann in den Sudetenländern Böhmen, Mähren und Schlesien an-treffen, in geringem Maße auch in Galizien und der Bukowina, tritt gewöhnlich nurals recht bescheidener Nebenschmuck an den gestickten Kostümteilen, den Hauben,Krägen, Kopftüchern, Hals- und Ärmelteilen der Hemden und Leibchen, und sodannan den hervorragendsten Prunkstücken der Bettwäsche, den Brautleinen, Hochzeits-tüchern, endlich an den kirchlichen Zwecken dienenden Altarvorhängen, Taufwindeln,Balkentüchern auf( Tafel 1, 2, 8-23), erreicht indessen in manchen Fällen docheine überraschende Wirkung und zeugt von einem Aufwand, der in gar keinem Ver-hältnis zu der Bescheidenheit der bäuerlichen Lebenshaltung steht. Wie wir dieseSpitze in volksmäßiger Erzeugung kennen, darf sie wohl fast nirgends technisch alsprimitives Glossar ::: zum Glossareintrag primitives Vorstadium der landläufigen höheren Spitze aufgefaßt werden.³) Zur Ent-wicklungsgeschichte der Spitze, welche sich wie wir aus anderen wirklich primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivenund altertümlichen Vorkommen gelernt haben aus zwei verschiedenen Grund-lagen entwickelt hat, einerseits aus den durchbrochenen Säumen, anderseits aus dengeflochtenen Fransen, liefert uns die österreichische Volksspitze mit Ausnahmeprimitiver Glossar ::: zum Glossareintrag primitiver Ansätze unter den Slowaken und Ruthenen keine Beiträge. Sie ist inihren verschiedenen Vorkommen nachweislich überall aus der entwickelteren deutschen,italienischen oder französisch- niederländischen Spitze als ihrem Vorbild hervor-gegangen, so daß auch hier jenes Verhältnis obwaltet, das in den meisten der Volks-stickereien herrscht. Es waren auch stets dem Volke aus höheren Lebens- und1) Graf Wl. Dzieduszycki, a. a. O., S. 122.

2) Die Hausindustrie Österreichs( Abteilung Bukowina, bearbeitet von K. A. Romstorfer,S. 162 f.).

3) Von einigen sporadischen Fällen primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver Vorstadien der Spitzentechnik wird unten nochdie Rede sein.

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