stuhle der mannigfachsten Abwandlung, Vereinfachung und Verrohung, mitunter auchMißverständnissen ausgesetzt gewesen. Die von Forrer mitgeteilte Entwicklungsreiheläßt sich leicht außerordentlich vergrößern, für die Stuhllehne des mährischen Bauern-hauses hat M. Wankel eine instruktive Zusammenstellung geliefert.') Es zeigt sich,daß mit der Vereinfachung und Veränderung der Kontur des Doppeladlers anderegeläufige Volksmotive mit hineinspielen: das Herz, die Tulpe. Charakteristisch sinddie intarsierten Renaissancestühle des XVI. und XVII. Jahrhunderts von Südtirol( Tafel 77, Fig. 4), welche die italienische Form des XV. und XVI. Jahrhunderts ge-treulich bewahrt haben.
Der Sesseltypus mit halbrundem Sitz, dem die Rückenlehne unter reichlicherAnwendung von gedrechselten oder geschnitzten Sprossen folgt, ist in Salzburg, imEgerlande, im Böhmerwalde verbreitet. In manchen Fällen hat der volkskünstlerischeTrieb sich sehr reizvoll an der Verzierung derSprossen betätigt, wie in dem nebenstehendenEgerländer Armstuhl( Abbildung Fig. 52), dessenfigurale Ausgestaltung, noch dazu hübsch undwirkungsvoll bemalt, der Geschicklichkeit einesNaturkünstlers ihre Entstehung verdankt. Essollen an solchen Bauernstühlen ganze Hochzeits-züge, ähnlich den auf Egerländer Brautbildern,mit den wichtigsten Figuren der ländlichenHochzeitsfeier ausgeschnitzt worden sein.
Im Bereiche des Rauchhauses mit demniedrigen Herde³) und in der Lagunenlandschaftvon Grado³), sowie im nördlichen Dalmatienfindet sich eine ähnliche halbrunde Sesselform,jedoch entsprechend dem niedrigen Herde, ganznieder gehalten, wobei die Rückensprossen durchganz roh gekerbte Holzbrettchen ersetzt scheinen( Tafel 98, Fig. 4). In Verlika werden solcheStühle schon hausindustriell erzeugt und mitspärlichem Kerbschnitt verziert( vgl. die Abbil-dung in dem Werke: Dalmatien und seine Volks-kunst von N. Bruck- Auffenberg, Einleitung S. 1). Auch niedrige Schemelformen,mit Laden, meist von der eigenen Hand der Benützer herrührend, mit primitivem Glossar ::: zum Glossareintrag primitivemSchnitzwerk und Bemalung dekoriert, eignen dem küstenländischen und istrischenBauernhause namentlich unter der italienischen Fischerbevölkerung( vgl. AbbildungTafel 98, Fig. 8).
Fig. 52. Egerländer Armstuhl mitfigural geschnitzten und bemaltenRückensprossen.
Ein in der Bauernstube nirgends fehlendes Wandgestell: die Schüsselrem, hatin der Volkskunst die mannigfaltigste Durchbildung erfahren. Wir finden dieselbe inden Alpenländern aus freier Hand geschnitzt und in lebhaften Farben bemalt( eineprächtige Arbeit des Johann Mrasner von Altaussee bildet v. Andrian, Die Alt-ausseer, S. 54 ab); ein Stück mit zierlich ausgeschnitztem figuralen Fries aus dem
1)» Česky lid«<, Bd. IV, S. 6-7.
2) Dr. Artur Petak, Die Herdform in der Friaul,» Zeitschrift für österreichische Volkskunde<<X, S. 221 ft.
3) Derselbe, Die Fischerhütten in der österreichischen Laguna,» Zeitschrift für österreichischeVolkskunde«< VIII, S. 99.
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