Daneben findet sich, besonders in Ober- und Niederösterreich vorherrschend,aber auch in Salzburg( Pinzgau) und Steiermark( Ennstal), Tirol, der Typ der Auf-satzbetten mit geschnitzten oder bemalten Rücken- und Vorderwänden, deren De-koration ganz ähnlich wie die auf den Himmelbetten geartet ist. Mitunter findet sichin den Aufsatz der Rückenwand eingelassen ein Hinterglasbild oder sonst ein Bild-segen eingefügt. Die Kleider- und Wäschekästen des Bauernhauses sind zumeistzweitürig; eintürige für das Gesinde und die Haustöchter kommen seltener vor. Siefolgen in ihren Formen durchwegs dem Stilgeschmack der einzelnen Epochen, nurin manchen Stücken derber und überladener gearbeitet als die bürgerlichen Möbel.Ihre Dekoration ist gleich geartet wie die der übrigen Bauernmöbel, die reichereBemalung, die mit dem XVIII. Jahrhundert einsetzt, steigert sich gegen Ende desJahrhunderts immer mehr, dauert aber auch bis zur Mitte des XIX. Jahrhundertsnoch an und ist noch immer nicht erloschen. Blumensträuße und Blumengirlanden,Heiligendarstellungen, Volksszenen, historische Bilder, militärische Typen usw. findensich in buntem Wechsel aufgemalt. Innenseitig sind die Kastenwände gewöhnlichmit frommen Bildern, Haussegen und anderen geweihten Sachen beklebt und behängt,und es bietet ein solcher Kasten geöffnet mit seinen Leinen- und anderen Haus-schätzen, die sorglich darin bewahrt sind, den erquicklichsten Anblick. Manche dieserKästen, die in Oberösterreich und Niederösterreich besonders farbenprächtig gefundenwerden, stammen aus Bayern und wurden auf Flößen die Isar hinab bis Linz undWien von Tölz, einem Zentrum der bayrischen Kistler, verführt( bis 1863). In Tirolwechseln die bemalten mit geschnitzten Schränken landschaftlich ab.
Das altertümlichste und gegenwärtig noch immer verbreitetste Möbel des Bauern-hauses ist die Truhe, die die alte Form vollständig bewahrt hat, im italienischenSüden auch als Banktruhe( Tafel 98, Fig. 5) auftritt, im polnischen und rumänischenBauernhause noch altertümlicher zur Tischtruhe gestaltet ist( Tafel 102, Fig. 2).Noch immer sind diese primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Formen, wie früher in Europa im XIII. oderXIV. Jahrhundert allgemein, bei den rumänischen oder huzulischen Bauern mehrZimmermanns- als Schreinerarbeit. Die Eckenverbindung wie die legschindelartigeFügung der Wände und die Dekoration der Außenflächen ist hier eine ganz alter-tümliche( manchmal mit durch Verschiebung gebildetem Ornament), worauf obenschon genügend hingewiesen worden ist. Tirol und Salzburg bevorzugt die reich-beschnitzten Truhen( Tafel 74, Fig. 1), Oberösterreich und Steiermark die bemalten,wobei freilich oft geschnitzte Säulen und verkröpfte Leisten zur Felderabteilung mit-verwendet werden( Tafel 74, Fig. 2, 3; Tafel 75, Fig. 1). Die Intarsia mit farbig-gebeiztem oder einfach dunklerem, respektive lichterem Holz, in der Renaissance dievorherrschende Zierweise, tritt an den Truhen in den südlichen Alpenländern unddes Küstengebietes mit volkstümlichen Motiven( Blumenvase, Doppeladler, Vogel-figuren; vgl. Tafel 74, Fig. 4, 6) im XVII. und XVIII. Jahrhundert noch stark hervor.Altertümliche Reliefschnitzerei findet ebenfalls in der volkskünstlerischen Auszier derTruhen häufig Platz; es sei nur auf die prächtige Weberzunfttruhe von Jablunkau( Tafel 102, Fig. 8-9), sowie auf die kleinen Geldtrüherln aus Cherso und von Ragusa( Tafel 98, Fig. 6-8) verwiesen, welche mit ihren Dekormotiven einen hochaltertüm-lichen Charakter zeigen.
Eines der ältesten, aber im Bauernhause in größter Einfachheit verbliebenenMöbel ist der Tisch, der überall seine feste Stellung im Wohnhause, sei es dieRauchstube oder die ofengeheizte Wohnstube, einnimmt. Volkskünstlerisch kommthier in der Regel nur die Tischplatte in Betracht, welche in den Alpen- und
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