so daß die Zeichnung, nur scharf umrissen, ohne Plastik bleibt, ein Verfahren, dasin der Handwerkskunst besonders der Gotik eignet, in der Volkskunst aber vielfachnoch viel später begegnet. Der Flachschnitt geht mitunter auch kräftig in die Tiefedes Holzes( Tiefschnitt), wozu man sich bei Figuren mit gekrümmter Kontur dexel-artig geformter Werkzeuge bedient. Senkrechte oder sonstwie kompliziertere Ein-kerbungen werden auch mit Punzen und Balleisen( mit gerader, schräge gestellterSchneide), doch nur in der handwerksmäßig betriebenen Volkskunst ausgeführt.
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Mittels aller dieser Verfahren werden die geometrischen Ornamente, die religiösenund gewerblichen Symbole, die Jahreszahlen, die Namen oder Anfangsbuchstaben,die Monogramme Jesu und Mariä, die mannigfachen, traditionellen pflanzlichen Motive( Blätter, Knospen, Blumen, die Blumenvase) und endlich die figuralen und szenischenDarstellungen, an denen die Volkskunst so reich ist, auf den Holzarbeiten hergestellt.Aber weder die absolute noch die relative Chronologie aller Techniken dieser Orna-mente, wie man sie für die Kunstentwicklung im allgemeinen feststellen mag, hältbei den volkskünstlerischen Arbeiten Stich. Nur die für rein geometrische Ornamentikdienenden Verfahren lassen sich im allgemeinen als die ältesten bezeichnen, wie wirsie auch in der primitivsten Glossar ::: zum Glossareintrag primitivsten Hirtenkunst der weitesten Gebiete zu öftest antreffen.Neben diesen beiden ursprünglichen und verbreitetsten Verfahren Ritztechnikund Kerbschnitt kommen auf etwas höherer wirtschaftlich- technischer Stufe nochandere und schwierige Holzziertechniken vor. Zunächst die Einlegearbeit. Sie trittwährend der Renaissance nach italienischem Muster in der Handwerkskunst starkhervor, hat besonders in Tirol, Steiermark¹), Kärnten und Krain Pflege und Anwertgefunden( namentlich für Türen, Kästen, kleine Schränke, Truhen, Brautschaffe, sieheTafel 74, Fig. 4, 6; Tafel 76, Fig. 2; Tafel 77, Fig. 4) und zeigt sich auch nicht seltenganz volksmäßig angewendet, wie die 1706 bezeichnete Tischplatte aus dem Hauseeines Wagnermeisters von Winterberg im Böhmerwalde dartut( Tafel 77, Fig. 4)oder wie rumänische und istrianische Beispiele lehren. Auch wird mit sinkendemvolksmäßigem Geschmack der Eindruck von Holzintarsia mitunter durch Bemalungmittels Patronen oder durch Überkleben mit farbigen Holzschnitten und Lacküberzugerstrebt.) Die Holzeinlegearbeit hat aber in der bäuerlichen Kunst außerdem nochmehrere volkstümliche Ableger hinterlassen: zunächst das Ausstreichen vertiefterOrnamente mit dunklem oder farbigem( rotem und grünem) Wachs, wie dies in deralpen- und karpathenländischen Hirtenkunst, namentlich in Tirol und Krain( hierbesonders an den Löffelstielen) sehr beliebt gewesen ist. Manchenorts hat man stattdes Wachses auch Siegellack verwendet. Sodann die Strohintarsia, die mit sehranmutiger Wirkung³) auf Holzkruzifixen, am hannakischen Mobiliar( namentlichden Bänken, Truhen und Kastenfüllungen, Tischplatten, Eckkästchen), ebenso, wennauch seltener, beim rumänischen Möbel( besonders den Wandschränkchen) begegnet,wahrscheinlich eine usprünglich klösterliche Übung und von der profanen Arbeitübernommen. Aus der Handwerkskunst, welche auch mit Metallen( Messing, Blei,Zinn) zierliche Einlegearbeit herzustellen wußte an Maßstäben( Ellen), Peitschen-stöcken, Garbenhölzern, Stöcken, Pfeifenköpfen sind analoge Zierweisen und Fertig-keiten auch bis in den bäuerlichen Hausfleiß gedrungen, so unter die Walachen( mitPerlmutter) und namentlich zu den Huzulen, wie auch in Dalmatien und besondersin Bosnien die gleiche Fertigkeit im Gefolge sarazenischer Kunstübung begegnet. Merk-1) K. Lacher, Mustergültige Holzintarsien der deutschen Renaissance. 1889.
2) O. Jauker,» Zeitschrift für österreichische Volkskunde<< X, S. 158.
3) Führer durch das Tschechoslawische ethnographische Museum in Prag, S. 39.
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