XVII. Jahrhundert im bäuerlichen Besitz antrifft. Faktisch finden wir die in denMusterbüchern und auf Mustertüchlein vermerkten Ornamente in unseren deutsch-alpenländischen Volkskunst- Arbeiten des XVI- XVIII. Jahrhunderts vor, so aufTiroler Tisch- und Handtüchern des Germanischen Museums¹)( Nr. 804-806)( Rosetten, symmetrisch zu beiden Seiten eines Mittels angeordnete Vögel und Hundeoder Hirsche, Band- und geometrische Ornamente), auf deutsch- siebenbürgischen Leinen-stickereien( Hahnenfiguren, paarige Vögel, Pfauen, Blumenvasen, zum Teil mit Herzformder Vase, Hirsche usw.), 2) auf verschiedenen Stickereien des Museums wie Bettüchern,Taufwindeln, Balkentüchern( Vasen mit Nelken[ 1664], Doppeladler, Pfauen, Hirscheusw.), die von Nieder-, Oberösterreich und der Steiermark stammen. In unserenGegenden treten allerdings nicht ganz häufig der Namenszug Jesu und Mariä, danndie Monstranz( auch in Niederösterreich), die Kreuzigung( Tafel 1, Fig. 1-3, neben-stehend Fig. 3) und andere christliche Symbole( Pelikan, Osterlamm) auf, die inder tschechoslawischen Stickereiornamentik bis auf die hannakischen Arbeiten( Tafel 23, Fig. 2, 3, 7) fast vollständig fehlen, und in den ost- und südslawischenErzeugnissen überhaupt nicht vorkommen( nur das Osterlamm begegnet, starkstilisiert, einmal auf einer huzulischen Arbeit: Tafel 32, Fig. 2). Volkstümliche Be-nennungen einzelner Ornamente, wie sie uns für Stickmusterungen der Waden-strümpfe v. Andrian aus Altaussee bekanntgemacht hat(> Brennende Liebe, Haber-körndl, Kette, Tulipan, Fischgräte, Stiege, Holzspan, Zwetschkenkern, Kreuzl, Zopf,Hasentanz«<, Die Altausseer, S. 77), J. Blau für die Spitzenmusterungen von Neuernim Böhmerwalde beibringt( Spinnlein, Rubeiseln, Ganskragla, Bodenstiegen, derlieged Baum usw.,» Zeitschrift für österreichische Volkskunde X, S. 198 f.) und wiesie auch unter den Slowaken von Landshut, bei Straßnitz und anderen Ortenfür Stickereimuster( siehe unten), sowie bei den Bojken für die Druckmuster, beiden Huzulen für einzelne Stickmuster üblich sind, kommen meines Wissens in denalpenländischen Stickereien nicht vor. Die Technik unserer alpenländischen Leinen-stickereien ist eine recht einfache und einförmige. Es läßt sich ohne weiteres behaupten,daß die bei ihnen angewendeten Sticharten es sind in erster Linie Kreuz- undFlachstich, sodann, jedoch seltener, Kettel-, Hexen-, Stil-, Zopf- und Schlingstichsowohl was ihre Zahl wie ihre Kombination anlangt, auch nicht entfernt an dieMannigfaltigkeit der Stickereien der böhmisch- mährischen Gruppe, wo allein überzwanzig verschiedene Sticharten beobachtet werden, heranreicht. Es ist echtvolkstümlich, daß einige dieser Sticharten, so der sogenannte» Hexenstich<, wie auchder>> Kettelstich«, von den Bäuerinnen im apotropäischen Sinne verwendet werden, ³)und es entsteht hiebei die Frage, ob etwa der Name dieser Stichart sekundär diesenAberglauben hervorgerufen, oder ob nicht der Name umgekehrt aus einer solchenalten volksmäßigen Verwendung dieser Stichart hergeleitet worden ist. Eine derartigeVereinigung von Aberglauben und Technik ist der Ethnologie von primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Völker-stufen ja überaus geläufig.
Was die zur Verwendung gelangenden Materialien betrifft, so wird überallHausleinen zur Grundlage und Schafwolle sowie Leinengarn zur Ausstickarbeit1) Katalog der Gewebesammlung des Germanischen Nationalmuseums, von Dr. Theodor Hampe,I. Teil, S. 128.
2) E. Sigerus: Siebenbürgisch- sächsische Leinenstickereien 1906: Hahnen 17, 23, 47, paarigeVögel 19, 61, Pfauen 3, 17, 23, 32, Blumenvasen 3, 10, 19, 22, 27, 29, 34, 35 usw.
3) Deutsche Gaue, herausgegeben von Kurat Frank, Bd. 1910, S. 127. Beide Stiche übereinander,vielleicht 5 cm lang, werden in rotem Faden irgendwo in Kleider eingenäht; das Volk will sich damitgegen Hexen schützen. St. Mahler, Pfaffenhofen a. R.
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