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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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Männer mit den weltläufigen Dingen eine häufigere und innigere als bei den Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern,die im ganzen doch weniger beweglich leben als jene.

Die voranstehenden Ausführungen dürften es somit rechtfertigen, wenn auch dasvolksmäßige handwerkliche Schaffen als Volkskunst angesehen wird.

Allerdings bestehen volkskünstlerisch gewisse, nicht schwer in jedem einzelnenFall erkenntliche Unterschiede zwischen Hauswerks- und Handwerksarbeiten. Schondas bessere und differenziertere Werkzeug, das dem Handwerk meist zur Verfügungsteht, bedingt verschiedene Grade der Exaktheit in der Ausführung. Die durch diehäufige Wiederholung erlangte Routine tritt gegenüber der Hilflosigkeit echter Volks-arbeit hier mehr oder minder deutlich zutage: die planmäßige, vorbedachte Anlageist hier häufig erkennbar. Die Benützung von Vorlagen und sonstigen Hilfsmitteln,Vorzeichnungen, Schablonen, von Bildern, Kupferstichen usw. geschieht im Handwerkhäufiger als bei dem naturwüchsigen Arbeiter, der sich seine Anregungen unter demihm bekannten Umkreis volkskünstlerischer Arbeiten und zumeist aus den ländlichenKirchen holt, um sie dann» auswendig aus freier Hand auszuarbeiten. Das ist jaz. B. das charakteristische Merkmal der Bauernstickereien, daß die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber undMädchen, die in den Kirchen, in den Klosterschulen von den Klosterfrauen, aufmancherlei Kanälen aus den Musterbüchern ihnen überkommene Musterungen nunohne Vorzeichnung und Plan, in möglichster Fülle und Gedrängtheit auf die Leinwandzu bringen suchen, mit primitivem Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivem, selbsterzeugtem Material, mit selbstgesponnener,selbstgefärbter Wolle, fortwährend im kleinen variierend, ohne im ganzen zu erfinden.Hierin liegt denn auch die enge Begrenztheit aller Volkskunst begründet, die denohnedies engen Kreis des bäuerlichen Lebens immer und fortwährend nur mit dergleichen althergebrachten Formensprache auszudrücken weiß.

Wir stehen damit, nachdem wir im obigen die formale Seite der Volkskunsterörtert haben, vor der Betrachtung und Würdigung derselben nach ihrem Inhalte.Alle Kunst ist Selbstdarstellung, Abspiegelung des Lebenskreises und der Natur-umgebung des Künstlers. Davon macht auch die Volkskunst keine Ausnahme, wiewohlsie nach ihrem ganzen Charakter hauptsächlich» angewandte Kunst, d. h. bloẞkünstlerisch verziertes Haus- und Brauchgerät ist, wie alle primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Kunst. Mit dempraktischen Leben durchaus verwachsen, für seinen Nießbrauch bestimmt, vom All-tagsbedürfnis hervorgerufen und vom Zwecke stets beherrscht, sind die Erzeugnisseder Volkskunst vielleicht gerade deshalb ein so treuer Spiegel des Volkslebens, dessengeistiger Inhalt und Gemütsgrund überall unverhohlen zutage treten. Auf all diesenSchnitz- und Bildwerken, den Marterln und Tafeln, den Stickereien, den Krügen undSchüsseln, Modeln usw. finden wir bei unserem Volke neben dem reinen Ornamenteauch die Darstellungen seines Lebens, seiner Arbeit: ein stetig sich wiederholender,enger und doch für das eigene Interesse nie ausgeschöpfter Kreis. Die ganze Wirt-schaft: das Herdentier, das Wild des Waldes, der Hund, Jäger und Jagdwerk, Hausund Hof, die Blumen des Gartens, die Postkutsche, sein Werkzeug und seineHantierung führt sich das Volk neben seinen eigenen ewigen Typen ständig undunermüdlich vor, Motive, die allerdings von den religiösen Reminiszenzen undZeichen überall begleitet und fast in den Hintergrund gedrängt werden. Auch dasSymbol), der hergebrachte bildliche Ausdruck eines Gedankens, tritt im Inhalt derVolkskunst stark hervor und ersetzt vielfach die naturalistische Darstellung. Dieverschlungenen Hände, das von Pfeilen durchbohrte Herz, die abgebrochene Kerze,Rose, Vergiẞmeinnicht usw. sind neben den religiösen Symbolen heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen und1) Vgl. H. Schukowitz, Z. f. ö. V. II, S. 34 f. nebst Abb. 12 bis 34.

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