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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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nur gewerbsmäßige Erzeugung darstellen. Bezüglich der Holzarbeiten läßt sich einegleichmäßige Beteiligung des Hauswerks wie des Handwerks feststellen; der Hausratdes Bauernhauses, ursprünglich wie sonst die Holzarbeiten Hauswerk, ist im Nordenund Westen Europas schon lange handwerksmäßige Erzeugung'), während im Süd-osten, unter den Rumänen usw., das Hauswerk auch auf diesem Gebiete vielfachnoch vorherrscht. 2) Die holzverarbeitenden Hausindustrien, welche entwicklungs-geschichtlich in der Mitte zwischen diesen beiden Produktionsstufen stehen, sind unterallen Hausindustriezweigen am dauerndsten und umfangreichsten erhalten geblieben.Die volkskünstlerischen Metallarbeiten endlich sind, wie schon die altertümlicheStellung des Schmiedes bei allen Völkern beweist), der Hausarbeit völlig fremd undfast ausschließlich dem Handwerk überantwortet.

Es geht nun aber aus der Betrachtung aller dieser handwerksmäßigen Produktewie aus ihrer Vergleichung mit den Erzeugnissen der primären Volkskunst fastüberall deutlichst hervor, daß sie mit diesen letzteren sowohl in Hinsicht ihres künst-lerischen und gemütlichen Gehaltes wie nach ihrer formalen Seite übereinstimmenund zusammengehören. Hier wie dort steht die Abhängigkeit in formaler Hinsichtvon der höheren, weltläufigen Kunst in vieler Beziehung fest. Der Ornamentenschatz,der Formenkreis, die Technik sind meist nichts als ältere, zäher bewahrte, wahllosdurcheinandergemischte, vereinfachte und verrohte, oft auch miẞverstandene Formen,Ornamente und Techniken, wie sie als uraltes, aus tausend Kulturquellen zusammen-geströmtes, weltläufiges Kunsterbe von Generation zu Generation weitergegebenwerden, von der Folge der Zeitepochen charakteristisch umgestaltet, bereichert oderauch dezimiert, je nach dem Kulturgang von Land und Gegend. Aber diese Anwendungund Aneignung des irgendwie überkommenen allgemeinen Kunststoffes durch diejeweilige Volkskunst erfolgt in einer so unbedenklich naiven, einheitlichen und lebens-angepaẞten Art, die Einstreuung der eigenen Einfälle und Beziehungszeichen in dieübernommenen Ausdrucksmittel geschieht in einer so vollkommen natürlichen Weise,daß der Eindruck des solchermaßen zustandegekommenen bescheidenen Kunstwerkesein überaus erfreulicher ist. Es zeigt seinen inneren Werdegang in naivster Auf-richtigkeit.

Wie bei allen altertümlichen Werken ist der Begriff der künstlerischenOriginalität daher auch bei den volkskünstlerischen Arbeiten völlig auszuschalten oderanders zu fassen. Die ursprüngliche Vorlage wird von selbst durch fortgesetzteWiederholung unwillkürlich variiert, jedes Ornament, jede Form gerät durch dasungeschulte Auge, durch die ungeübte Hand, das primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive und mangelhafteWerkzeug ins Beiläufige Zutaten individueller Art und Laune kombinieren sichdamit- womit eben der Eindruck der Schablone aufs gründlichste vermieden bleibt.Die in der höheren Kunst einem bestimmten Zeitstil angehörigen Formen sind inder Volkskunst sozusagen zeitlos geworden und haben hier alle ihre Ausläufer neben-und miteinander. Namentlich ist die Frauenarbeit in dieser Beziehung viel konser-vativer und rückständiger als die von Männern geschaffene Kunst: das weiblicheKunstschaffen, wiewohl zum Teil durch die Mode gestachelt und in Einzelheitenkurzlebiger, ist doch, im ganzen betrachtet, von dem regelmäßigen Fluß des Stil-wandels weniger berührt als die Arbeiten der männlichen Volkskunstzweigeerklärlich genug, denn selbst in den untersten Volksschichten ist die Berührung der

1) Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. 1902. Holzarbeiten. S. 206 f.

2) E. Weslowski, Die Möbel des rumänischen Bauernhauses. Z. f. ö. V. XII, S. 55 ff.

3) Rich. Andree, Ethnographische Parallelen und Vergleiche. I, S. 153 ff.

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