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Heilige in Europa - Kult und Politik : [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 26. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011]
Entstehung
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Hl. Katharina von SienaErzdiözese, Wien

1.4

Die Europa heiligen

1 Die Europaheiligen

Heilige als Patrone einer bestimmten Region einzusetzen, ist langekirchliche Tradition. Schon um 500 wurde beispielsweise der Hl.Martin( gest. 399) zum Schutzpatron des merowingischen Franken-reichs erwählt. Und bereits hier ist die politische Zielsetzung nichtzu verkennen.

In der Entwicklungsreihe solcher heiliger Landespatrone steht dieVerkündung von Europaheiligen durch den Vatikan. Zunächst wur-de der Hl. Benedikt von Nursia, der schon seit langem allgemeinals Vater des abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländischen Mönchtums und Schutzherr desAbendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes" verehrt worden ist, im Jahr 1964 explizit zum PatronEuropas ernannt. In dieser Funktion wurden ihm 1980 Kyrill undMethod, die Patrone der slawischen Völker", zur Seite gestellt. Undim Jahr 1999 wurden drei Frauen, Katharina von Siena, Brigitta vonSchweden und Edith Stein( Teresia Benedicta a Cruce), als weitere Europaheilige" verkündet.

Die Parallelität zu den Versuchen der( wirtschafts) politischen( Ver)-Einigung Europas ab den 50er/ 60er Jahren, der Anerkennung derOstkirchen nach der politischen Wende 1989 und der Beachtungder Genderdiskussionen in den 1990er Jahren ist nicht zu überse-hen. Ost und West, Nord und Süd, Geschichte und 20. Jahrhundertwurden zu einem heiligen" Europa der christlichen Kirche verwoben.

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