3.4 Veneratio
Die ehrende Erinnerung an die Heiligenund Seligen, ihr Totenkult, wurde vonder römisch- katholischen Kirche seitjeher und bis heute gefördert. Schon imFrühchristentum fanden die Gottes-dienste an den Gräbern der Märtyrerstatt. Als immer mehr Kirchen gebautwurden und durch die Missionierungimmer neue christliche Gemeinden ent-standen, verlangten auch diese nach derNähe der Heiligen in ihren sterblichenÜberresten( Reliquien), die daraufhingehoben und aufgeteilt wurden. Nochheute ist jeder katholische Altar gewis-sermaßen ein Heiligengrab, weil in ihmstets mindestens eine Reliquie einge-bettet sein muss. Ab dem Hochmittel-alter werden die Heiligen auch in ihrenDarstellungen verehrt, wobei auch hierdie Grenzen zwischen Verehrung undAnbetung verschwimmen.
3.4.1
Mariazeller Muttergottes
Holzskulptur, polychromiert
Devotionalkopie der Mariazeller Muttergot-tes, sitzende Maria mit Apfel, Kind mit Birne,auf der Rückseite Rest eines Berührungs-siegels, bez.„, Henericus Closter. U.V. Pinxit1779", übermalte BiedermeierfassungVermutlich Steiermark, 2. Hälfte 18. Jh.H: 52 cm, B: 21,5 cm, T: 14,2 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 30.485
Diese Kopie der Mariazeller Madonna,der ,, Magna Mater Austriae", trägt eineBeglaubigung, dass mit ihr die Gnadenstatueberührt wurde. Solche Berührungsdevoti-onalien hatten und haben ganz besondereBedeutung für die Gläubigen. KP
3.4.2
Hl. Wolfgang
Statuette, Silber, gegossen
Hl. Wolfgang als Bischof auf Sockel mitHacke und Kirche
19. Jh.
H: 3 cm, B: 1,1 cm, T: 0,9 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 46.742
Reliquien und Darstellungen von Heiligen,die im Ruf der Wundertätigkeit stehen, sogenannte Gnadenbilder, wurden zu regionaloder auch überregional bedeutenden Wall-fahrtsstätten, wo Andenken an den Besuchdes Heiltums verkauft werden. Diese sindoftmals in den Augen der Gläubigen Schutz-und Segensmittel und sollen wie ein Amulettden Träger/ die Trägerin oder dessen Hausund Hof schützen. KP
3.4.3
Hl. Wolfgang
Haussegen, Zinn, Gitterguss
Der Heilige mit Stab, Hacke und Kirchen-model in Rahmung zum Befestigen anHaustüren, unten bez.„ S. Wolfgang"Oberösterreich, 18./19. Jh.
H: 6,5 cm, B: 4,5 cm, T: 0,2 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 19.227
3.4.4
Hl. Wolfgang
Medaille, Zinn, rund
VS:„ ZVM WOHLFARTS ANDENKEN"im Blattkranz, Mitra mit Stab und Kirchen-modell, RS: der Hl. Wolfgang stehenddargestellt, bez.„ S. WOLFGANG"19./20. Jh.D: 4 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 53.630
3.4.5
Wolfgangihackl
Zinn, gegossen
Amulett in Form einer Hacke, auf derSchneide Brustbild des Heiligen mit Stab undHacke, auf dem Stiel bez.„, S. Wolfgang"St. Wolfgang, Oberösterreich, um 1900H: 3,7 cm, B: 1,3 cm, T: 0,2 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 31.304
3.4.6
Reliquiar mit Annahand
Altarpyramide, Weichholz, vergoldetIm dreieckigen Gehäuse mit vergoldetemDurchbruchsdekor, montierte Materialcol-lage mit Golddrahtarbeit und Glasstiften aufSilberlamégrund um Wachssakramentalieund Reliquien unter Cedulae18. Jh.
H: 49,5 cm, B: 40 cm, T: 9,5 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienOMV/ 2.856
Die große Nachfrage der Gläubigenüberstieg bald die Zahl der unmittelbarenReliquien von Heiligen. So wurden nicht nurGegenstände, die von den Heiligen zu ihrenLebzeiten berührt wurden( sekundäre Reli-quien ,,, unmittelbare Berührungsreliquien")zur Verehrung herangezogen, sondern auchNachbildungen, die an der verehrten Reliquieangerührt worden sind( tertiäre Reliquien,,, mittelbare Berührungsreliquien“). KP
Tradition
3.4.1
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