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Heilige in Europa - Kult und Politik : [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 26. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011]
Entstehung
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2.2 Geschichte

Unter den Frühchristen setzte sichallmählich die Vorstellung durch, dassdie Seele besonderer Menschen sofortnach deren Tod der Nähe Gottes( imHimmel) teilhaftig werde und nicht erstauf das Jüngste Gericht zu warten hätte,wie die eines gewöhnlichen Sterblichen.Als derart ausgezeichnet stellte mansich die so genannten Zeugen( griech.: martys) vor, also alle, die JesusChristus und ihren Glauben an ihnbezeugen, wie beispielsweise die in derBibel genannten Apostel. Ab der Mittedes zweiten Jahrhunderts verschob sichunter dem Eindruck der Christenverfol-gungen der Bedeutungsinhalt: Der Todfür den Glauben wurde zur vollendetenZeugenschaft( Blutzeugenschaft).Als das Christentum anerkannteReligion geworden war, erweitertesich der Begriff der Heiligkeit: Als voll-kommene Nachfolge Christi galt nunnicht mehr nur der Einsatz des eigenenLebens. Das Leben selbst wurde zumBeweis für Heiligkeit: ein bestimmterLebenswandel, gewisse Taten, Hand-lungen und Ereignisse( Wunder).

2.2.1.

Hl. Ulrich von Augsburg

Glasfenster, Glasmalerei

Im blauen Mittelfeld der Hl. Ulrich alsBischof mit einem Fisch in der rechten HandAnfang 15. Jh.

H: 129 cm, B: 70 cm

Benediktinerstift Kremsmünster, Kunstsammlungen

Als die erste förmliche Kanonisation gilt dieHeiligsprechung des im Jahr 973 verstor-benen Bischofs Ulrich von Augsburg durchPapst Johannes XV. im Jahre 993, von derjedoch die Originalakten nicht erhalten sind.Bischof Ulrich spielte eine gewichtige Rollebei der Abwehr der noch nicht christianisier-ten Ungarn. Er befehligte selbst die Truppen,die den Ungarn bei Augsburg 955 eine emp-findliche Niederlage zufügten, die vermutlichdazu führte, dass sie in der entscheidendenSchlacht am Lechfeld von Kaiser Otto I.geschlagen wurden.

Zahlreiche Ausschmückungen der Ereignissesind in Legenden zu finden. KP

2.2.2

Reiner GnadenschlüsselMetallprägeguss in Schlüsselformmit Anstecknadel

Reliefierte Darstellungen des Hl. Ulrich alsBischof zu Pferde mit Ulrichskreuz in der er-hobenen rechten Hand, bez. St. Ulrich 973",und eines Fisches darunter, am Schlüsselbartein Ulrichskreuz

Stift Rein, Steiermark, 1973

H: 5,7 cm, B: 2,2, cm, T: 1 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 83.542

Als Andenken und Gnadengabe wurden amWeißen Sonntag im Jahre 1479, an dem dieKlosterkirche von Stift Rein erstmals derAllgemeinheit zugänglich gemacht wurde,Anhänger in Schlüsselform ausgegeben.Seither wird alljährlich das Schlüsselfest"gefeiert, eine Wallfahrt zur Basilika Rein, ander sich alle zugehörigen Pfarren beteiligen.Zu bestimmten Anlässen werden besondereAusgaben der sogenannten Reiner Gnaden-schlüssel geprägt. 1973 wurden zum 1000.Todestag von Ulrich v. Augsburg, dem dieUlrichskirche in Rein geweiht ist, dieSchlüssel mit Motiven aus der Ulrich-Legende verziert. KP

http://www.kloesterreich.at/d/default.asp? id= 68840& medium= KR_REIN& sw= 1102

2.2.3

Reiner GnadenschlüsselSilber

Ausgegeben unter Abt Marian Pittreich( 1745-1771) im Stift Rein, Steiermark,bezeichnet auf dem Schlüsselschaft,VS: M.A.Z.R. 1766", RS: A.C.E.R.1129"1766

H: 4,8 cm, B: 1,2 cm, T: 0,2 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 61.944

2.2.4

Reiner GnadenschlüsselMetallprägeguss

Reliefierte Inschriften, VS: Klostersiegel,darunter ALFRED.ABB.RUNAE 1964",RS: Darstellung des Hl. Eberhard, darunter,, S. EBERHARD+ 22.VI.1164"

Stift Rein, Steiermark, 1964

H: 6 cm, B: 1,3 cm, T: 0,2 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 61.928

2.2.5

Reiner GnadenschlüsselMetallprägeguss

Reliefierte Inschriften, VS: Klostersiegel,darunter Paulus Abt von Rein",

RS:, 1129-1979" darunter, 850 Jahre StiftRein". Anlässlich der 850- Jahr- Feier desStiftes Rein geprägt

Stift Rein, Steiermark datiert 1979

H: 6 cm, B: 1,3 cm, T: 0,2 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 81.283

2.2.6

Ulrichskreuz

Messing, geprägt

VS: Darstellung der Ungarnschlacht von955 auf dem Lechfeld, unten kniend derHl. Benedikt

RS: HI. Ulrich mit Kreuz, Hl. Benedikt mitKreuz, unter ihm Benediktuskreuz, Hl. AfraH: 2,6 cm, B: 2,6 cm

Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 39.531