4.1 Hierarchie- im Himmelund auf Erden
-
Im Mittelalter und in der frühenNeuzeit wurde die feudale Ordnung alsgottgewollt und als Spiegel der himm-lischen Ordnung auf Erden angesehen.Die drei Stände- Nährstand( Bauern),Lehrstand( Kirche) und Wehrstand( Adel) wurden kaum infrage gestellt.Wie diese Ordnung auf Erden, so warauch jene im Himmel hierarchischgedacht. An der Spitze stand dieDreifaltigkeit, gefolgt von Maria undden übrigen Heiligen je nach dem Gradihrer Verehrung. Lokal verankertenHeiligen wurde in den Ortspatronateneine ähnliche Aufgabe zugeschrie-ben wie dem Familienvater oder demLehnsherrn, nämlich Sorge für dieSchutzbefohlenen zu tragen im Aus-tausch für Ehrung und Gehorsam.
4.1.1( Abb. S. 78)Kirtag
Temperamalerei auf PapierErnestine Rotter- Peters
In kräftigen Farben gemalte Kirtagsszene, imVordergrund links die Kirtagsbesucher anTischen, einige mit erhobenen Bierkrügen,rechts Tänzer, dahinter Musikanten, imHintergrund links eine Kirche mit einemPferdefuhrwerk davor, signiert ErnestineRotter- Peters, am Originalpassepartout bez.„ Kirta"
Vor 1954
H: 49 cm B: 77 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 50.619
Das Ortspatronat( Patrozinium) ist dasälteste der Heiligenpatronate. Im Mittelalter,das noch keine juristische Person kannte, warder/ die Heilige, dem/ der eine Kirche geweihtwar, als Rechtsträger zugleich der eigent-liche Besitzer des Kirchenvermögens. DerKalendertag des Kirchenpatrons oder der Tagder Kirchweihe wird in den meisten Pfarrenjährlich weltlich- ausgelassen gefeiert. KP
4.1.2
Flugblatt Brigittenauer Kirtag
Illustrierte Geschichte über die Entstehungdes Volksfestes in der Brigittenau zu WienWien, 1836
H: 25 cm B: 19,8 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 84.876
Alljährlich wurde der für das 18. Jahrhunderterstmals schriftlich belegte Brigitta- Kirtagim heutigen 20. Wiener Gemeindebezirk, derBrigittenau, als Kirchweihfest der dortigenBrigitta- Kapelle zu Ehren der Hl. Birgitta vonSchweden gefeiert. Im 19. Jahrhundert zoger bis zu 80.000 Menschen jährlich an, bis erschließlich 1847, im Jahr vor der Revolution,zum letzten Mal stattfand. KP
4.1.3( Abb. S. 11)Krönung Mariens
Radierung, Papier
Dreistufiger Aufbau auf Wolkenbändernmit der Krönung Mariens durch dieHl. Dreifaltigkeit, in der Mitte links Apostelund rechts alttestamentarische Figuren,darunter Heilige, viele mit Märtyrerpalme,bez. oben ,, Heilig! Heilig! Heilig ist Gott!",unten ,, Ihr sollt heilig seyn, weil ich heiligbin. Geheiligt werde dein Nahme"Mitte 19. Jh.
H: 22 cm, B: 14 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 85.097
Der Kupferstich führt die Hierarchie imHimmel vor Augen und verdeutlicht daschristliche Verständnis von Heiligkeit alsTeilhaftigwerden an der Gnade Gottes:,, Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin". KP
4.1.4
Allerheiligenbild
Andachtsbild, Farbdruck
Die Aufnahme der Heiligen in den Himmel,stufenförmiger Aufbau auf Wolkenbändern,bekrönt von der Hl. Dreifaltigkeit; bez.„ OMNES SANCTI DIE ORATE PRO NOBIS"Deutschland, Ende 20. Jh.
H: 10,3 cm, B: 6 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 85.011
4.1.5
Erster Vorarlberger Katholikentag am24.5.1920 in der Stadtpfarrkirche
St. Martin in DornbirnFotoreproduktion, auf Alu kaschiertFoto Martha SchwärzlerDornbirn, 1920
H: 15 cm, B: 23,5 cmStadtarchiv Dornbirn, 4879
In der sozialen Ordnung spiegelt sich diehimmlische Ordnung, so die christlich-katholische Vorstellung bis weit ins 20.Jahrhundert hinein- in der Familie undselbstverständlich auch in der Kirche selbst.Auf dem Foto, aufgenommen am Vorarl-berger Katholikentag 1920, ist deutlich dieTrennung von Männern und Frauen in denKirchenbänken zu erkennen. KP
80
60