2.3 Intentionen
Im Verständnis der katholischen Kirchewird durch eine Kanonisation eine Per-son nicht zum/ zur Heiligen gemacht,die Person ist unabhängig vom kirchen-rechtlichen Verfahren als heilig gedacht.Laut Heiligem Stuhl gab und gibt esdaher unzählige„ stille Heilige", die ihrewiges Ziel", also die Gottesnähe, er-reicht haben, ohne offiziell bestätigt zusein. Eine Selig- oder Heiligsprechungist also immer ein kirchenpolitischerAkt, der Signalwirkung nach außenhat, und dient bestimmten- zuweilendurchaus weltlichen- Intentionen.
2.3.1
2.3.1
Hl. Johannes von NepomukHinterglasbild, gerahmt
Die Königin beichtet unter einem Arkaden-bogen dem Hl. Johannes, der Zeigefinger aufseinen geschlossenen Lippen weist auf seineVerschwiegenheit hin.
19. Jahrhundert
H: 34,4 cm, B: 24,5 cm T: 2 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 22.405
Der Hl. Johannes Nepomuk, kanonisiert1729, wurde im Zuge der Gegenreformationals Patron der Beichte aufgebaut, die beiden Protestanten nicht als Sakrament gilt.Als Mitarbeiter des Bischofs in dessen Streitmit dem böhmischen König verwickelt, warJohannes Nepomuk 1393 in der Moldauertränkt worden. In seiner Legende wird alsGrund jedoch angeführt, dass er dem Könignicht verraten wollte, was ihm die Königin,die der Untreue verdächtigt wurde, in derBeichte anvertraut hatte. Er wurde schonbald nach seinem Tod regional hochverehrt,doch seine Heiligsprechung erfolgte erst, alses kirchenpolitisch opportun schien. KP
Lit.: Anna Coreth: Pietas Austriaca. ÖsterreichischeFrömmigkeit im Barock. Wien 1982².
2.3.2
Nepomukzunge
Reliquienanhänger
Beidseitig Prägebilder auf rotem Samt mitGold- und Silberbouillon, unter Glas, mitMessingstreifen verbunden, hochrechteckigmit Rundbogenabschluss, VS: Halbfigurdes Heiligen, RS: nachgebildete Zunge desHeiligen, beidseitig bez.„ Terra S.J.N."( Erde vom Grab des Heiligen).Frühes 18. Jh.
H: 9 cm, B: 6,5 cm, T: 1 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 698a
Als Schutz- und Segenszeichen wurde dieZunge des Johannes Nepomuk massen-haft nachgebildet. Angeblich wurde sie beiseiner Exhumierung im Jahr 1719 unverwestvorgefunden was von vielen als göttlicheBestätigung seines Patronats als Hüter desBeichtgeheimnisses verstanden wurde. KP
2.3.3
NepomukzungeReliquienanhänger
Ovaler Glasbehälter mit nachgebildeterZunge des Hl. Johannes von Nepomuk aufGoldlamégrund mit Golddrahtarbeit undPaillettenblüten, rückseitig Milchglas mitBlüten- Lithographie
Frühes 19. Jh.
H: 5,8 cm, B: 4,1 cm, T: 0,9 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 12.300
2.3.4
Nepomukzunge
Anhänger, Silberfassung
Hochovales Medaillon mit farbigen Darstel-lungen unter randgeschliffenen Gläsern, VS:Brustbild des Heiligen, RS: Nepomukzunge19. Jh.
H: 3,5 cm, B: 3 cm, T: 0,5 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 46.731
2.3.5
Anhänger mit NepomukzungeSilberguss
Reliefierte Darstellungen, VS: Hl. Johannesvon Nepomuk, RS: Nepomukzunge.H: 2,5 cm, B: 1 cm, T: 0,3 cm
Österreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 46.743
2.3.6
Nepomukzunge
Anhänger, Silber
Zungennachbildung aus Erde vom Grab desHeiligen, unter Glas in Silberblechfassung,rückseitig graviert ,, I. N. P. C.Vermutlich Prag, 18. Jh.
H: 3 cm, B: 1,5 cm, T: 0,5 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 24.437
2.3.7
Nepomukzunge
Reliquiar, Materialcollage
Nepomukzunge aus Wachs, Golddraht-Rahmung mit Wachsperlen, unten eineReliquie des Hl. Eustachius unter Cedula,bez.„ S. Eustachy", schwarzer, gold bemalterRahmen mit RundbogenabschlussTaisten, Osttirol, frühes 18. Jh.
H: 18 cm, B: 13 cm, T: 2,5 cmÖsterreichisches Museum für Volkskunde, WienÖMV/ 18.535
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