BLEIBEN UND GEHEN IN BÖHMEN UND MÄHREN
Von etwa drei Millionen» deutschen« Bürgern der ehemaligen Tsche-choslowakei, die zu Kriegsende hier lebten, wurden 240.000 nicht ausge-siedelt. Bis Juli 1947 emigrierten 96.000 Kommunisten und Antifaschisten.
Manche mussten bleiben, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen un-abkömmlich waren. Dem tschechoslowakischen Staat gegenüber loyaleAntifaschisten sollten Bleiberecht und Staatsbürgerschaft erhalten. Dochgab es bald sehr unterschiedliche Kategorien von Antifaschisten. Kom-munisten hatten gute Chancen, bleiben zu können. Den Mitgliedern derDeutschen Sozialdemokratischen Partei( DSAP) hingegen wurde bei den>> wilden<< Vertreibungen, vor allem wenn sie nicht gut Tschechisch konn-ten, kaum Bleiberecht erteilt.» Bürgerlichen«< und besitzenden Gruppenwurde häufig keine dauernde Staatsbürgerschaft verliehen, auch wenn sieeindeutig NS- Verfolgte waren. Wer bei der Volkszählung 1930 die deut-sche Nationalität angegeben hatte, was nichts über die Loyalität gegen-über dem tschechoslowakischen Staat aussagte, hatte schlechte Chancen.
Den Jüdinnen und Juden, die unter den Nazis von allen Tschechoslo-waken am ärgsten gelitten hatten, wurde das Bleiben und die Wiederher-stellung ihrer Existenz so schwer gemacht, dass die meisten von ihnen dieEmigration wählten. Gegen die( einst) besitzenden und» bürgerlichen<<Juden machten kommunistische Politiker( etwa Václav Kopecký, spätererkommunistischer Informationsminister) antisemitische Propaganda.
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