Druckschrift 
Geteilte Erinnerungen : Tschechoslowakei, Nationalsozialismus und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1937-1948 = Rozdělené vzpomínky : Soužití v Československu, nacistická okupace a vyhnání německy mluvícího obyvatelstva 1937-1948 = Rozdelené spomienky : spolužitie v Československu, nacistická okupácia a vyhnanie nemeckých obyvateĺov 1937-1948
Entstehung
Wien [2017]
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

KRIEGSENDE

Nachdem die Nationalsozialisten bis zum letzten Augenblick desKrieges Schrecken und Gewalt verbreiteten, Exekutionen vollzogen unddie Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager halbtotdurchs Land trieben, kehrten sich die Verhältnisse schlagartig um. In die-ser Atmosphäre der Gewalt sowie im Chaos des Machtwechsels kam esan zahlreichen Orten zu Pogromen an Deutschen, besonders grausam imZuge des Prager Aufstandes der letzten Kriegstage oder in Postelberg. Füh-rende tschechische Politiker wussten davon und heizten den kollektivenDeutschenhass an. Beteiligt an den Pogromen waren Nationalausschüsseund Revolutionsgarden, Einheiten des Korps der nationalen Sicherheitund des in der Sowjetunion gebildeten tschechoslowakischen Armeekorps.

Beschreibung und Beurteilung des Wirkens der Roten Armee auftschechoslowakischem Boden differieren stark: aus Achtung vor der un-geheuren Anstrengung und den Opfern einer völlig erschöpften Armee,aber auch aufgrund der so unterschiedlichen Erfahrungen in der indi-viduellen Begegnung mit den Sowjets. Die Angst der Deutschen vor denSowjet- Soldaten war nach den Gräueln, mit denen der Krieg die Sowjet-union verheerte, berechtigterweise größer. Aber tschechische und slowaki-sche Zivilistinnen und Zivilisten litten ebenfalls unter Vergewaltigungenund Diebstählen.

IIO