Druckschrift 
Geteilte Erinnerungen : Tschechoslowakei, Nationalsozialismus und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1937-1948 = Rozdělené vzpomínky : Soužití v Československu, nacistická okupace a vyhnání německy mluvícího obyvatelstva 1937-1948 = Rozdelené spomienky : spolužitie v Československu, nacistická okupácia a vyhnanie nemeckých obyvateĺov 1937-1948
Entstehung
Wien [2017]
Seite
8
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EINFÜHRUNG

>> Bringing Together Divided Memory«< ist der Titel eines EU- ge-förderten Projekts, das historische Perspektiven zum Thema>> Nati-onalsozialismus und Vertreibung« aus Österreich, der TschechischenRepublik und der Slowakei in einer gemeinsamen zentraleuropäischenErzählung vereint. Das Projekt basiert auf biografischen Video- Inter-views, führt die persönlichen Erzählungen und Erinnerungen in einerdreisprachigen Darstellung zusammen und möchte auf diese Weisenational begrenzte Narrative dekonstruieren. Es fokussiert den ge-genwärtig durch Oral History fassbaren Zeitraum: die späten 1930erJahre mit den zunehmenden nationalen Spannungen und der>> Sude-tendeutschen Krise«<, die Zerstörung des tschechoslowakischen Staatesdurch den deutschen Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, dieAussiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslo-wakei 1945/46 bis zur Schließung des Eisernen Vorhanges durch diekommunistische Machtübernahme im Februar 1948. Die Nach- undErinnerungsgeschichte dieser Vorgänge reicht bis in die Gegenwart.

Zwischen Dezember 2014 und Juli 2015 wurden 37 Interviews inden drei beteiligten Ländern überwiegend in den jeweiligen( mehr-heitlich gesprochenen) Landessprachen- geführt und auf Video auf-gezeichnet. In der Tschechischen Republik oder der Slowakei wurde ineinigen Fällen Deutsch als Interviewsprache gewählt, wenn das die In-terviewpartnerinnen und-partner bevorzugten, einige Male auch des-halb, weil das Projekt die langsam verschwindenden deutschen Idiomedieser Länder dokumentieren wollte.

Die Ermittlung der Interviewpartner erfolgte in erster Linie überAnfragen in sozialen Medien oder über berufliche und private E- Mail-Verteiler. Auf diese Weise konnten viele Menschen erreicht werden,die noch nie über die betreffende historische Erfahrung interviewtwurden. Die Recherche über Institutionen wie etwa Vertriebenenor-ganisationen hat den Nachteil, dass häufig» erprobte« Interviewpart-ner vermittelt werden und dass diese in höherem Grad bestimmtenkollektiven Narrativen folgen, die über Jahrzehnte in den Institutio-nen ausgebildet wurden.

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