Druckschrift 
Geteilte Erinnerungen : Tschechoslowakei, Nationalsozialismus und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1937-1948 = Rozdělené vzpomínky : Soužití v Československu, nacistická okupace a vyhnání německy mluvícího obyvatelstva 1937-1948 = Rozdelené spomienky : spolužitie v Československu, nacistická okupácia a vyhnanie nemeckých obyvateĺov 1937-1948
Entstehung
Wien [2017]
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teuil, den wir im Herrenzimmer stehen hatten, und wurde nicht be-merkt, wenn die Herren da miteinander sprachen. Das war dann al-lerdings eine gewisse Belastung für mich, weil ich ja gar nicht darübersprechen konnte und doch wusste, wie die Situation war.

Als einmal das Radio verstellt war, versuchte ich auch, diesen Sen-der zu finden, und bemerkte, dass meine Mutter ziemlich regelmäßig dieNachrichten aus der Schweiz von Jean Rudolf von Salis[ auf Radio Bero-münster] abhörte. Das machte ich dann auch. Meine Mutter beschwormich, es lieber nicht zu tun, und wenn, dann sehr aufmerksam. Wir wa-ren ja allein im Haus, also ging es. Und da habe ich dann verglichen: Waswurde in den deutschen Sondermeldungen und was in diesem Sendergesagt? Alsoganz stimmte alles nicht, es wurden auch von uns soundsoviele U- Boote kaputtgemacht. Und es begann eine Zeit, wo auf einmaldie Engländer und die Amerikaner viel rascher unsere Boote versenkenkonnten als früher. Dass es Radar oder so etwas gab, darum kümmerteich mich damals nicht oder wusste es gar nicht. Aber ich wusste, die müs-sen irgendeine Waffe haben, damit das jetzt viel schneller geschieht. Undich hörte auch von den Grenzverschiebungen, wo vorgerückt wird, wozurückgegangen wird und wie alles sich langsam auflöst. Außerdem hatteich Verwandte, die in Berlin lebten und die ständig unter den Bomben-angriffen zu leiden hatten. Das rief natürlich Schrecken in mir hervor, diemein Vater immer wiederum irgendwie zu zerstreuen versuchte.

Karl Rock

Etwas fiel mir damals[ im Alter von ungefähr sechs Jahren] auf.Da hörte ich zum ersten Mal das Wort Stalingrad. Eine Tante von mirstand auf dem Hauptplatz von Nikolsburg, wo debattiert wurde. Dakamen zwei Kinder mit der Büchse und sammelten. Immer kamen siedamals sammeln- Winterhilfe und das und jenes. Und meine Tantesagte:>> 1000 Mark spende ich euch sofort, wenn ihr mir meinen Ro-bert aus Stalingrad bringt.<< Der Robert kam nicht mehr. Und seit da-mals kannte ich das Wort Stalingrad. Ich wusste nicht, wo das ist.Oder was das bedeutet:» 1000 Mark<<- wofür?

Oldřich Krejčí

Ich teilte damals die Wohnung mit einem Cousin, und als ichnach Hause kam, sagte er zu mir» Olin, weißt du, was es Neues gibt?<<->> Weiß ich nicht.<<» Es gab ein Attentat auf[ Reinhard] Heydrich.<<

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