Druckschrift 
Geteilte Erinnerungen : Tschechoslowakei, Nationalsozialismus und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1937-1948 = Rozdělené vzpomínky : Soužití v Československu, nacistická okupace a vyhnání německy mluvícího obyvatelstva 1937-1948 = Rozdelené spomienky : spolužitie v Československu, nacistická okupácia a vyhnanie nemeckých obyvateĺov 1937-1948
Entstehung
Wien [2017]
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mir. Er konnte gut Deutsch, denn er war durch die Welt gereist. Under hörte die deutschen Sender und England. Er sagte:» Es ist etwas los.Die Deutschen melden«<, am soundsovielten Februar, ich weiß es nichtgenau, an welchem Tag,» dass Tschechen in Brünn ein deutsches Hausin die Luft gesprengt hätten; dass in Iglau die Tschechen 200 Deutschehingerichtet hätten.« Ich sagte:» Das ist doch Blödsinn, ich weiß doch,dass das nicht wahr ist.<< Das verbreitete aber die deutsche Propaganda inder Welt, als Vorwand, um das Protektorat besetzen zu können.

Das war mein Kontakt mit den Deutschen. Aber davor, auchwenn das Zentrum von Brünn deutsch war, taten sie ihre Überlegen-heit nicht öffentlich kund.

Eleonore Schönborn

Nach der Errichtung des Protektorats musste man bekennen: Ent-weder ich bin Tscheche, also Protektoratsbürger, oder ich bin Deut-scher. Und das war das große Dilemma, denn die einen sagten:»> Wennich mich bekenne als Tscheche, werden die Deutschen mir alles weg-nehmen. Wenn ich mich aber bekenne als Deutscher, wird das einmalsehr schlecht sein- später. Dann werden mich die Tschechen ausja-gen.<< Und so war es auch. Sehr viele[ aus unserem Umkreis] bekann-ten sich zum Deutschtum, und zwar hauptsächlich die Großgrundbe-sitzer und die Fabrikbesitzer. Sofern sie Deutsche waren. Oder wennsie Deutsch sprachen, aber ursprünglich Tschechen waren.

Helga Roder

Ich lernte zum ersten Mal durch die Jugendmädchen die»> Volks-gemeinschaft«< kennen. Man blieb ja immer nur in seinen Kreisen.Wenn man ein Kind kennenlernte, fragte man sofort:>> Und was istdein Vater?<< Dann wusste man, das passt oder das passt nicht. Sehrunsozial natürlich. Bei den Jugendmädchen hingegen war es ganz nor-mal, dass das Hausmeisterkind neben uns saß. Das spielte sich völligein. Meine beste Freundin war die Tochter vom Portier der techni-schen Universität. Das wäre vorher unmöglich gewesen; da waren dieStandesdünkel noch sehr ausgeprägt. Dass es das nicht mehr gab, war,finde ich, etwas Positives.

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