Druckschrift 
Geteilte Erinnerungen : Tschechoslowakei, Nationalsozialismus und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1937-1948 = Rozdělené vzpomínky : Soužití v Československu, nacistická okupace a vyhnání německy mluvícího obyvatelstva 1937-1948 = Rozdelené spomienky : spolužitie v Československu, nacistická okupácia a vyhnanie nemeckých obyvateĺov 1937-1948
Entstehung
Wien [2017]
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Diejenigen, die hierblieben und nicht optierten, wurden zu deut-schen Staatsbürgern. Aber sie konnten sich zur tschechischen Natio-nalität bekennen- genau wie mein Vater es tat, um der Wehrpflichtzu entgehen. Doch gab es auch viele Tschechen, die Angst davor hat-ten und daher wurden sie eingezogen- wie unser Franta oder unserArthur. Sie gingen[ zur Wehrmacht] und bezahlten mit ihrem Leben.

Niemand wurde[ aus den Grenzgebieten, die nach dem Münch-ner Abkommen zum Deutschen Reich gehörten] vertrieben. Das isteine der größten Lügen, die hier propagiert wird, dass sie gehen muss-ten. Auch ein Teil unserer Familie ging und kam wieder. Als sie nacheinem Monat zurückkamen, konnten sie ihre Wohnung öffnen, unddie war vollständig. Keiner hatte sie ausgeraubt. Die von hier weg-gingen, gingen freiwillig. Niemand wurde hinausgeworfen. Es warenüberwiegend[ tschechische] Beamte, Staatsangestellte, die sich ganzklar sagten, dass sie hier unter den Deutschen nicht bestehen könnten,dass sie ihre Arbeitsplätze verlieren und zur Werkbank gehen[ hand-werkliche Arbeit machen] würden. Oder es waren Verfolgte, die weg-gingen, weil sie sich berechtigterweise vor den Nationalsozialistenfürchteten. Wir haben uns 1938 auch überlegt, ob wir weggehen soll-ten. Tante Marte mit Koutský sind gegangen. Aber sie wurden so eis-kalt willkommen geheißen, dass sie nach einem Monat zurück waren.Sie überlebten dann im Reich.

Milada Vorlová

Meine Mama erinnerte sich immer an diese Zeit- daran, wieschrecklich sie war, als die Deutschen in weißen Strümpfen dort[ inTroppau] gewütet hatten. Mein Papa sprach überhaupt nicht darüber.

Einmal kam mein Vater aus dem Amt, das war so gegen elf Uhrvormittags, und sagte:» Mutter, um halb drei fährt der Zug. Du musstalles zusammenpacken.«< Und das mit drei Kindern! Meine Mutternahm ein Leintuch, legte es auf den Boden und warf alle Sachen dar-auf. Dann band sie es zusammen und wir gingen zum Bahnhof. Da-ran erinnerte sich meine Mutter immer furchtbar dramatisch zurück,weil sie das schrecklich gestresst hatte. Wie sollte sie es innerhalb we-niger Stunden anstellen, dass der Familie auf der Reise nichts fehlte?

Alle Staatsbediensteten mussten gehen. Es blieb tschechische Be-völkerung auf dem Land zurück die, die eine landwirtschaftlicheArbeit oder landwirtschaftlichen Besitz hatten. Unsere Haushaltshilfestammte aus dem nahen Schlakau bei Troppau. Ihre Eltern hatten ei-

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