8
stammt aus dem Jahr 1689. Der Sturm auf das Kloster Wilten 1539 endete im Klosterhof undWeinkeller, in anderen Urkunden wird vom Freudenzug der Innsbrucker in das Kloster Wil-ten gesprochen. 1546 wird den Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag Weibern aus Wilten so die Ketten fürgespannt“ und denBürgermeister bei seiner Heimkehr„ gefangen“ haben, ein Lösegeld von 3 Pfund gezahlt.Neben dem Klöster- wird auch das Widumsstürmen erwähnt- an dem sich Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber undMänner beteiligten. Es war nicht auf die Fasnacht beschränkt, wenngleich es zu dieser Zeitam öftesten erwähnt wird. Es hat zum Beispiel in der Pfarre St. Pauls am Mittwoch nach Os-tern und am Auffahrtstag nach der Non stattgefunden( in diesem Zusammenhang werdenauch ,, Pflug- und Dienstmayden" genannt)."
Matthias Mayer, Pfarrer in Going, der über den Tiroler Anteil der Erzdiözese Salzburg ge-forscht hat, erwähnt ein Weistum, das wohl aus dem 15. Jahrhundert, also aus vormaximilia-nischer Zeit stammt. ,, Zu Ellmau auf dem Widem", worunter zwei zur Pfarre Söll gehörigeGüter gemeint sind, wird zur Fasnacht auf beiden Höfen drei Tage ausgeschenkt, wenn dieNachbarn es begehren.10 Es geht hier um eine brauchmäßige Bewirtung, die eingefordertwerden kann, nicht um ein Widumsstürmen im engeren Sinn.
Die ,, Widumsstürmerei" scheint im Land ziemlich üblich gewesen zu sein, da im Vertragzwischen dem Landesfürsten Maximilian dem Deutschmeister und dem Bischof von Brixenvom Jahre 1605 im Punkt 11 gefordert wird, den Unfug von nun an zu unterlassen, wie FranzAnton Sinnacher erwähnt.
11
,, Es solle auch, was mit Stürmung der Pfarr Widumben, faßnacht Zeiten an etlichen orthen indisen Bistumb geübt, unnd den Pfarrern zuegemuethet würdt, alles dergleichen Unweesenund Müßbrauch ins khünftig ab: und eingestellt verbleiben."
Weiberzechen Glossar ::: zum Glossareintrag Weiberzechen fanden in den Ratshäusern( z. B. in Hall und Meran) am Kässonntag( SonntagInvocavit) statt; sie wurden im 17. Jahrhundert wegen der strengen Einhaltung der Fastenzeiteingestellt oder verschoben.
Bei den Visitationen der Diözese Brixen 1602 und 1608 werden immer wieder die amAschermittwoch stattfindenden Weiberfasnachten Glossar ::: zum Glossareintrag Weiberfasnachten( baccanalien) bemängelt und ihre Abschaf-fung eingefordert. 12 Die Notizen stammen vor allem aus dem westlichen Tirol. In späterenVisitationsberichten ist davon nicht mehr die Rede, es wurde vielleicht auch nicht mehrnachgefragt.
In vielen Urkunden des 17. Jahrhunderts finden die Frauen in der Fasnacht nicht ausdrücklichErwähnung. Aber das Tanzen, das nicht auf die Fasnacht beschränkt war, und für das es vieleAnlässe gab, schließt wohl die Frauen mit ein, auch gehen Frauen alleine zum Tanz.Hippolytus Guarinoni, der Haller Stiftsarzt aus Rovereto, erwähnt um 1600 in seinem Werk,, Die Grewel der Verwüstung Menschlichen Geschlechts" bei den Unterhaltungen den deut-schen Tanz, einen wilden Rundtanz im Dauerkontakt mit dem Partner. Zur Zügellosigkeittrug noch wesentlich dazu bei, dass man sich fast immer betrunken zum Tanzen begab. Erhält diesem den italienischen Reigentanz entgegen, auch der Umgang mit dem Alkohol ist
8 Fischnaler 1930( wie Anm. 2), S. 330.
13
9 Karl Atz, Adelgott Schatz: Der deutsche Anteil des Bistums Trient. Band II, Bozen 1904, S. 186.
10 Matthias Mayer: Das Tiroler Unterland. 10. Heft, Das Sölland, Going 1949, S. 128.
11 Franz Anton Sinnacher: Beyträge zur Geschichte der bischöflichen Kirche Säben und Brixen in Tyrol.Band VIII, Brixen 1832, S. 61.
12 Georg Tinkhauser, Ludwig Rapp: Topographisch- historisch- statistische Beschreibung der Diözese Brixen.Band III, Brixen 1886, S. 663 und Band IV, Brixen 1889, S. 143, 152.
13 Guarinoni 1610( wie Anm. 1), S. 187, 194, 277.
217