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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
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HERLINDE MENARDI

Frauen in der Fasnacht

Fasnacht, Fasching, Karneval- diese Begriffe bezeichnen in verschiedenen Landschaftenähnliche oder nahezu gleiche Phänomene: die Zeit zwischen Dreikönig( Romedi, MariaLichtmess) und dem Faschingsdienstag mit Maskenbrauch, Verstellung, Vermummung, Hei-schen, Rügen, Parodie, Tanzen, Hüpfen und Springen, Lärmen, Essen und Trinken, Ge-schlechterbeziehungen.

Bei der in den älteren Dokumenten erwähnten Fasnacht handelt es sich nicht um eine Beson-derheit einzelner Ortschaften. Sie wurde mehr oder weniger im ganzen Land begangen undhat sich im Laufe der Zeit unterschiedlich entwickelt: Auf der einen Seite ist ein unbändigesFesthalten an diesen Vergnügungen( Bräuchen) über alle Zeiten und Verbote hinweg zu be-obachten, auf der anderen befolgte Verbote. Diese finden sich vermehrt in der Gegenrefor-mationszeit, vielfach aber im 18. Jahrhundert unter dem Einfluss der Jesuitenmission. Es gibtGelübde, die Fasnacht nicht mehr zu begehen oder sie auch schon mit dem Unsinnigen Don-nerstag enden zu lassen, die zum Teil heute noch eingehalten werden.

Kirchliche und weltliche Obrigkeiten haben der Fasnacht ihre Stempel aufgedrückt, auchInitiativpersonen, die sich Anregungen von außen holten.

Wie bei anderen öffentlichen Bereichen dürften die Männer die Fasnacht dominiert haben,aber sich die Frauen als abwesend vorzustellen, ist falsch. Sie treten auch als Akteurin in Er-scheinung, nicht nur bei Tanzangelegenheiten, bei Heischebräuchen, Klosterstürmen, Pflug-und Blochziehen, Weiberzechen Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberzechen u. a. Hippolytus Guarinoni erwähnt bei Hochzeiten, die inder Regel zur Fasnachtszeit stattfinden, getrennte Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber- und Männertische, wobei dieFrauen zuerst bewirtet werden, daher auch schneller betrunken sind.¹

Männergemeinschaften( vor allem die unverheirateten, ausgemusterten Burschen, Zünfte,Handwerker) spielen als Brauchträger bis ins 20. Jahrhundert eine große Rolle, seltener Frau-engruppen. Im Außerfern werden diese erwähnt, wobei zu untersuchen wäre, ob die Zeit-wanderung die periodische Auswanderung der männlichen Bevölkerung im westlichenTirol- hier ihre Auswirkungen hatte.

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Möchte man sich über Frauen in der Fasnacht informieren, so stößt man schnell auf Schwie-rigkeiten. Denn es findet sich kaum Literatur zu diesem Thema- die Fasnacht ist Männersa-che, so die bei uns gängige Meinung. Alle weiblichen Figuren bei den Umzügen werden vonMännern darstellt. Dabei behindert das heutige Bild der Fasnacht, die man fast ausschließlichmit den großen Umzügen in Verbindung bringt, die Sicht. Es galt nun so viel Notizen wiemöglich zu finden, in denen Frauen beziehungsweise Mädchen im Zusammenhang mit derFasnacht erwähnt werden.

Die Urkunden zur Fasnacht sind spärlich, Predigtliteratur, Rechnungsbücher der Städte,Märkte und Klöster, Protokollbücher, Kanzleibücher, landesfürstliche Erlässe, Verordnungenu. a. 1460 gewährt Sigmund der Münzreiche den Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern von Hötting, denen von der An-bruggen und aus der Neustadt, welche am Aschermittwoch den Bloch zogen, eine Spende.²

1 Hippolytus Guarinoni: Die Grewel der Verwüstung Menschlichen Geschlechts. Ingolstadt 1610, S. 778.2 Konrad Fischnaler: Innsbrucker Chronik. Band IV, Innsbruck 1930, S. 327.

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