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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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JAMES R. Dow

Ethnographisches in den sprachwissenschaftlichen Erhebungen BrunoSchweizers

Vorläufiges

Als Bruno Schweizer am 11. November 1958 starb, lag der größte Teil seines Lebenswerkesnur in Manuskriptform vor. Drei Jahre später wurden diese persönlichen Aufzeichnungen anden Deutschen Sprachatlas an der Philipps- Universität Marburg verkauft. Die Akten befin-den sich dort in einem großen Schließfach( im kalten Keller); Ermenengildo Bidese hatSchweizers Nachlass bearbeitet und ein Inventar von 346 Seiten hergestellt. Es gibt vielesvon enormem Interesse für Sprachwissenschaftler, unter anderem ein vielbändiges Wörter-buch des Zimbrischen, ein fünf- bändiges, 848- seitiges Manuskript der Gesamtgrammatikder Zimbrischen Sprache. Vergleichende Darstellung der zimbrischen Dialekte, das 2008bei Steiner Verlag von mir veröffentlicht worden ist.² Mit dieser Grammatik erfüllte Schwei-zer äußerst zuverlässig die Erwartungen, die an einen klassisch ausgebildeten Philologen undKartographen gestellt werden. Er führte nicht nur Beispiele für jede seiner Analysen an, erlegte alle seine Daten dar. Das bedeutet, er nahm jeden Satz, jedes einzelne Wort aus denhistorischen Quellen und baute alles als Bestandteil in seine Sprachbeschreibung ein. Zu denhistorischen Quellen fügte er noch die Ergebnisse seiner Fragebogenerhebungen, sein imFeld zusammengestelltes Lexikon und seine eigene Transkriptionen der Tonaufnahmen hin-zu. Sein Werk deckt sowohl die Synchronie als auch die Diachronie ab, es ist geographischdas vollständigste und ambitionierteste, und es beschränkt sich nicht auf Felduntersuchungenvon Zimbrischsprechern fern ihrer Heimat*, und nicht auf Erhebungen in einer einzigen Ge-meinde. Es kann deshalb als vorbildliches Beispiel einer historisch- geographischen Dialekt-studie angesehen werden. In seinem Nachlass gibt es aber fast genau so viel von Interesse fürEthnographen, z. B. hunderte von Seiten der zimbrischen Volkskunde: Volkssprache, Orts-namen, Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten, Volkslieder, und Geschichten allerArt( Sagen und Märchen). Viel davon erscheint auch in der Grammatik. Dieser Aufsatz be-absichtigt zu zeigen, wie reich ein sprachwissenschaftliches Werk für Ethnographen seinkann, indem er versucht einige gute Beispiele aus Bruno Schweizers Feldforschung zu kon-

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Ermenegildo Bidese: Das Zimbrische von Giazza: Zeugnisse und Quellen aus einer deutschen Sprachinsel inOberitalien. Übersetzungen, Hörbeispiele und Bildmaterial zu den von Bruno Schweizer gesammelten Erzäh-lungen/ Il Cimbro di Giazza: testimonianze e fonti da un'isola linguistica tedesca in Norditalia. I racconti diBruno Schweizer con traduzioni, esempi sonori e materiali visivi. Innsbruck 2011.

2 Ich möchte mich besonders bei der John- Simon- Guggenheim- Stiftung für ein Forschungsstipendium in denJahren 2005 und 2006 bedanken. Mein Dank geht auch an die Iowa State University für einen Druckkostenzu-schuss.

3 Die besten Beschreibungen der Situation, aus der die Tonaufnahmen hervorgingen, finden sich in ThomasNuẞbaumer: Alfred Quellmalz und seine Südtiroler Forschung( 1940-42): eine Studie zur musikalischenVolkskunde unter dem Nationalsozialismus. Innsbruck, Wien 2001(= Bibliotheca musicologica 6), S. 137–156;sowie in James R. Dow, Olaf Bockhorn: The Study of European Ethnology in Austria. Aldershot 2004(= Pro-gress in European Ethnology), S.117.

vgl. Eberhard Kranzmayer: Laut- und Flexionslehre der deutschen zimbrischen Mundart. Wien 1981& 1985- Beiträge zur Sprachinselforschung Bd. 1, Teil 1& 2).

vgl. Hans Tyroller: Grammatische Beschreibung des zimbrischen in Lusern. Wiesbaden 2003(= Zeitschrift fürDialektologie und Linguistik Beiheft 111).

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