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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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GERTRAUD LIESENFELD

Vogelbisgotten",, Chlorkali zum gurgeln,, Soda und Waschl"...eine archivalische Spurensuche¹

Es war im Wintersemester 2005/2006, als ich mit der Abhaltung des Proseminars Empiri-sche Verfahren" an unserem Wiener Institut betraut wurde. Ein Schwerpunkt sollte der ar-chivalischen Quellenforschung gelten. Hier war es mir u. a. ein Anliegen, die Studierendenmit Handschriften bekannt zu machen, die in deutscher Kurrentschrift verfasst sind, zumaldiese Schrift bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich durchaus gängig gewesen ist.Demzufolge war davon auszugehen, dass der/ die eine oder andere Student bzw. Studentinspätestens bei der Abfassung der Diplomarbeit mit Archivalien, die dieser Schrift zuzuordnensind, konfrontiert sein würde.

Hier kam mir ein Buch aus dem Nachlass unseres gemeinsamen Kollegen Helmut Paul Fiel-hauer zu Hilfe, das nicht nur in Kurrentschrift geschrieben, sondern auch auf dem packpapie-renen bräunlichen Einband mit dem Jahr 1899 mittels Tintenbleistift handschriftlich datiertwar. Mehr war allerdings von außen nicht zu sehen. Das Buch ist 23 cm x 15,5 cm groß, hateinen harten Deckel, die Seiten sind horizontal hellblau liniert und durch rote senkrechte Li-nien in vier Rubriken unterteilt. Es gibt weder ein Titelblatt noch einen auf den Inhalt ver-weisenden Aufkleber. Es umfasst, neben einem Vorsatzpapier, 70 Blätter respektive 140 Sei-ten sowie ein eingeklebtes Blatt am Buchende. Trotz des Fehlens der Titelseite zeigt ein ers-ter Blick in das Buch, dass es sich um ein täglich penibel geführtes Ausgabenbuch handelt,beginnend mit den Aufzeichnungen über die Neujahrsgeschenke des Jahres 1899 und endendmit der Auflistung von Ausgaben am 10. Februar 1900. Dem Buch beigelegt war eine Visi-tenkarte eines Herrn Karl Cech mit der Adresse Margaretengürtel 6/32, 1050 Wien. Auf demKärtchen befindet sich zusätzlich der handschriftliche Vermerk: ,, Wäscherei". Wieso und inwelchem Zusammenhang die Visitenkarte in das Buch gelangte, ist mir nicht bekannt- mög-licherweise war Karl Cech² der Überbringer des Buches an H. P. Fielhauer. Außerdem fandsich eine ,, Abonnement- Karte des Esterhazybades", gültig bis Ende des Jahres 1905"( Jahreszahl gestempelt), die allerdings erst beim Herauslösen des Buches aus seinem Schutz-umschlag zu Tage kam. Auch hier erhebt sich die Frage, ob und in welchem Zusammenhangdie Abonnementkarte mit dem Ausgabenbuch steht.

Für die Lehrveranstaltung kopierte ich pro Studierender bzw. pro Studierendem ca. 7 Seiten,die jeweils genau transkribiert werden mussten.³ Gleichzeitig sollten Überlegungen angestelltwerden, um welche Art der Archivalie es sich bei dem Buch handeln könnte, welcher Bran-

Der Aufsatz sei Olaf Bockhorn freundlichst zugeeignet, zum einen, weil wir 28 Jahre lang die Institutsluftteilten, zum anderen, weil wir beide in der Lehre ständig tätig waren( ich zu Beginn meiner Laufbahn sogar als,, Beiwagerl" in seinen Lehrveranstaltungen), zum dritten, weil die dem Beitrag zugrunde liegende Archivalieaus dem Besitz unseres gemeinsamen Kollegen und Freundes Helmut Paul Fielhauer stammt und schlussendlichdiese zu einer Baulichkeit gehört, die nicht unweit seiner ehemaligen Wohnung im 6. Bezirk liegt. An demspeziellen Gebäude ist Olaf Bockhorn sicher des Öfteren vorbeigegangen.

Über Karl Cech bzw. die Wäscherei sind heute keine weiteren Angaben mehr zu eruieren.

3 Um die Transkription bewerkstelligen zu können, erhielt jeder Student bzw. jede Studentin einen alphabeti-schen Transkriptionsspiegel ausgehändigt. Alle Transkriptionen wurden von mir korrigiert und im Anschlussden Studierenden retourniert.

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