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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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ANDREA EULER

In Linz beginnt's...

Die ,, Linzer Krippe" von Maximilian Kosmata

Einleitung

Kurz vor Weihnachten 2011 erfuhr das neue Foyer des Linzer Schlossmuseums, das zumJahr der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 fertiggestellt worden war, eine auffallendeVeränderung: Die riesige, Linzer Krippe aus Keramik erhielt einen gläsernen Kasten undgelangte nach langen Irrwegen innerhalb des vorangegangenen halben Jahrhunderts wiederan ihren eigentlichen Ausgangsort zurück. Denn schon in den 1960er Jahren hatte das ein-drucksvolle Stadtmodell die Besucher des kurz zuvor eröffneten Schlossmuseums im Ein-gangsbereich begrüßt und ihnen die Orientierung erleichtert, nachdem diese den steilen An-stieg über die Hofgasse vom Hauptplatz oder über den Tummelplatz geschafft hatten und indas gewaltige Gebäude gelangt waren, ohne die historische Anlage zuvor sehen zu können.Wir schreiben das Jahr 1960 und der Kurator der Volkskundeabteilung Franz C. Lipp- da-mals bloẞ Franz Lipp- stellt unter dem Titel Weihnachtliche Kunst Objekte der Kunstge-schichtlichen Abteilung des Oberösterreichischen Landesmuseums aus. Kernstück der Schau,die im Franzisco Carolinum in der Museumstraße- das Schlossmuseum öffnete erst 1963-von 16. Dezember 1960 bis Maria Lichtmess 1961 gezeigt wurde, war die so genannte Lin-zer Krippe" von Maximilian Kosmata. Sie war kurz zuvor nach vier Jahren intensiver Arbeitfertiggestellt worden. Es sollten noch weitere vier Jahre vergehen, bis die aus etwa 100 Ein-zelteilen bestehende Keramikkrippe mit der Inventarnummer F 8.451 ins Eigentum des Mu-seums gelangte. Mit der Eingangsnummer 13/64 wird sie am 25. Februar 1964 als Neuzu-gang eingetragen. Die Ankaufsumme betrug 47.475 Schilling' und überstieg um ein Vielfa-ches jeden anderen Betrag, der in den Jahren davor und danach für Ankäufe der Volkskunde-abteilung ausgegeben wurde. Selbst ein Prunkstück wie der, Jahreszeitenschrank von Jo-hann Baptist Wengler belief sich auf lediglich 15.000 Schilling. Allerdings erwarb man mitder 3,5 mal 2,2 m großen Krippe auch wahrlich ein Schwergewicht. Denn der bis dahin eherunbekannte Keramiker verarbeitete in 1.7272 Stunden für die 125³ Figuren und die Aufbau-ten rund 2.000 kg Ton.

1 Dieser Betrag entsprach ungefähr dem Jahreslohn eines Angestellten.

2 Kosmata selbst gibt unterschiedliche Arbeitszeiten an, einmal 1.727, dann wieder 1.773 Stunden.Tatsächlich befinden sich nur 87 Figuren auf der Krippe, selbst wenn man alle Köpfe von Gruppen und Ochsund Esel dazurechnet. Sollten Figuren verloren gegangen sein- was unwahrscheinlich ist-, dann jedenfalls vor1966, als das erste Foto die aufgestellte Krippe dokumentierte( Otfried Kastner: Die weihnachtlichen Krippen inLinz und Umgebung. Hg. v. Stadtmuseum Linz. Wien, München 1966, S. 34).

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