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des Heiligen Vinzenz von Paul, der das Haus seit 1870 betreute, ³ drohte, sein Personal ausLustenau abzuziehen. Nachdem die Schwestern ihren Dienst in der Anstalt fast unentgeltlichversahen, beeindruckte diese Drohung die Gemeinde und unterstützte die rasche Inangriff-nahme eines Neubaus. Auch dass dem neuen Versorgungsheim eine Entbindungs- undWöchnerinnenstation angeschlossen wurde, ging auf die Initiative der Generaloberin derBarmherzigen Schwestern im Mutterhaus in Zams/ Tirol zurück. Sie hatte die Gemeindepoli-tiker während eines Besuchs darauf hingewiesen, dass die örtliche Wohnungsnot und andereschwierige soziale Zustände sowie die mangelnde Hygiene bei Hausgeburten große Gefahrenfür Mütter und Neugeborene bedeuteten. Im März 1927 bat der Lustenauer BürgermeisterSchwester Oberin Ludwiga Brindlinger brieflich um die Umsetzung ihrer Idee:
,, In der gestern Abend abgehaltenen Sitzung der Gemeinde- Vertretung wurde dieserGegenstand in Behandlung gezogen und von den Gemeindevertretern als ein zeitge-mässes Unternehmen begrüsst und demselben zugestimmt. Auf Grund dessen werdenSie verehrl. Oberin ersucht, in einem entsprech[ e] nden Zimmer die notwendigen Vor-kehrungen treffen zu wollen, nachdem schon im nächsten Gemeindeblatte eine diesbe-zügliche Bekanntgabe erfolgen wird."
Ungeachtet der geistlichen und gewiss strengen Führung war das Entbindungsheim in Lus-tenau vor allem als wohltätige Einrichtung gedacht und stand nicht in der Tradition der Ge-bär- oder Accouchieranstalten des 18. und 19. Jahrhunderts, die- oftmals als Teil einer Uni-versität- in erster Linie als Ausbildungsstätten für die sich professionalisierende Geburtsme-dizin dienten. Diese Gebärhäuser suchten arme, alleinstehende oder ledige Frauen auf, für„, ingeordneten Verhältnissen“ lebende Frauen waren Hausgeburten die Norm. Das Klientel wur-de mit dem Angebot einer kostenlosen Geburt, Unterbringung und Verpflegung angelockt,auch Unzuchtstrafen und die öffentliche Kirchenbuße im Falle einer illegitimen Geburt konn-ten umgangen werden; im Gegenzug mussten sich Schwangere und Wöchnerinnen den Pro-fessoren und Auszubildenden zur Verfügung stellen.³ Bevor Ignaz Semmelweis Mitte des
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3 Schwestern, die längere Zeit in Lustenau tätig waren; maschinschriftliche Liste; Archiv der BarmherzigenSchwestern des Heiligen Vinzenz von Paul, Mutterhaus Zams. Ich bin der Archivarin Sr. Anna ElisabethDrenovac dankbar für gescannte Dokumente und Fotos aus Zams.
Wie die Gemeindevertreter in einem an Schweizer gerichteten Ansuchen argumentierten; Ansuchen um Bürg-schaftsleistung, Lustenau, 30.7.1923; Historisches Archiv Lustenau( im Folgenden: HAL), Schachtel 163, Ver-sorgungsheim Bausachen Pläne. Ich danke Wolfgang Scheffknecht vom Historischen Archiv Lustenau fürsein Engagement.
5 Schreiben Josef Hollenstein an Ludwiga Brindlinger, Lustenau, 10.3.1927, Z1 444; HAL, Schachtel 163, Ver-sorgungsheim- Bausachen- Pläne, Mappe 1921/1925.
6 Darauf lässt zumindest der Entwurf zu einer Hausordnung für das Versorgungsheim schließen, der unter denBausachen zu finden ist; HAL, Schachtel 163, Versorgungsheim- Bausachen- Pläne.
7 Marita Metz- Becker: Die Sicht der Frauen. Patientinnen in der Marburger Accouchieranstalt um die Mitte des19. Jahrhunderts. In: Jürgen Schlumbohm, Barbara Duden, Jacques Gélis, Patrice Veit( Hg.): Rituale der Ge-burt. Eine Kulturgeschichte. München 1998, S. 192-205, hier S. 192. Dorothea Rüb zieht einen umgekehrtenSchluss, wenn sie meint:„ Mit der wachsenden Anzahl von Frauen, die aus Not in den Gebärhäusern entbindenmussten, hat sich die klinische Geburtshilfe etabliert.“ Dorothea Rüb: Profession Arzt I. In: dies., MargotSchindler( Red.): Aller Anfang. Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum fürVolkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002. Wien 2002(= Kataloge des Österreichischen Museums für Volks-kunde, 80), S. 257.
8 Wie etwa Jürgen Schlumbohm am Beispiel des Göttinger Professors der Medizin Friedrich Benjamin Osianderund dessen rauen Praktiken, die sich in einem Arbeits- Tagebuch niederschlugen, zeigt oder wie Marita Metz-Becker anhand von Bittbriefen und Beschwerden betroffener Frauen für eine Marburger Accouchieranstalt