Druckschrift 
Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

-

um das Jahr 1968, bis die Volkskunde- zumindest mancherorts ihr konservativesDaunenbett verließ und sich nach anderen Liegestätten umsah." 44

In seinem bemerkenswerten Beitrag über, Opferwidder und Widderopfer45 entlarvt er Leo-pold Schmidt als Schreibtischvolkskundler, der die Widderprozession auf Grund höchstfragwürdiger Funde in Welzelach( Ironie des Schicksals) nicht nur fälschlich bis in das Neo-lithikum und in die Bronzezeit zurückführt, sondern der die Prozession 1966 noch immernach Lavant ziehen lässt, obwohl sie seit 1920 nach Obermauern führt. Bockhorn rückt alldie obskuren Theorien zurecht, indem er auf die bisher wenig beachtete Quelle in der Disser-tation von Johann Steinringer, Das Prozessionswesen in Osttirol", Wien 1941, verweist, dieeindeutig die Widderprozession auf ein Gelöbnis zur Verschonung vor der Pest zurückführt,die in den Jahren 1634-37 wütete. Ein erhalten gebliebenes Votivbild unterstreicht diesenZusammenhang.

Anhand dieses Beispiels, aber auch mit dem Hinweis auf den Vierbergelauf oder auf Hallo-ween, für das es in Osttirol mit den Krapfenschnappern eine Parallele gibt( siehe dazu denvon ihm gestalteten Film), erörtert er die Aufgaben und Leistungen der, Religiösen Volks-kunde", zu der er ja mehrfach Beiträge erbrachte.4

46

Am Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie oblag ihm die Leitung der Abteilung fürVolkskundliche Praxis( 1991 bis 1999). Im Rahmen dieser Aufgabenstellung setzte sich OlafBockhorn besonders intensiv mit der Museologie auseinander, die er als ein primäres Betäti-gungsfeld für die volkskundliche Praxis betrachtet. Dazu stellte er Überlegungen zur museo-logischen Ausbildung in Österreich" an. 47 In diesem Zusammenhang sei an die von ihm an-geregten Museumskurse für Studierende im Bezirksheimatmuseum von Spittal/ Drau erinnert,in denen von Fachleuten über Geschichte, Dingbedeutsamkeit, Inventarisierung, wissen-schaftliche Bearbeitung, Präsentation und Vermittlung referiert wurde. Er führte auch Muse-umspraktika im Dorfmuseum Niedersulz, im Freilichtmuseum Gerersdorf und in Mönchhofdurch.

Verdienstvoll sind die gemeinsam mit Hermann Steininger herausgegebenen Museumsdo-kumentationen aus Niederösterreich.48 Zudem war er sehr bemüht, die( Heimat) Museen fürden Tourismus nutzbar zu machen, wie seine Publikationen beweisen.

44 In: Archaeologia Austriaca 90, Wien 2006, S. 16.

49

45 Olaf Bockhorn: Opferwidder und Widderopfer. Widderprozessionen und Widderversteigerungen in Osttirolund Oberkärnten. In: Kulturelles Erbe und Aneignung. Festschrift für Richard Wolfram. Wien 1982, S. 23.

46 Olaf Bockhorn: Von Volksfrömmigkeit, Wallfahrten und Opferwiddern. Aufgaben und Leistungen der, Reli-giösen Volkskunde" In: Österreich in Geschichte und Literatur. Wien 2006.

Olaf Bockhorn: Der Welsberger Kreuzgang" nach Enneberg und seine Jahrhundertfeiern. 1978. In: Der Sch-lern. 52( 1978), H. 3.

Olaf Bockhorn: Zur Verehrung der hl. 3 Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen von Meransen. In: Der Schlern. 53( 1979), H. 4.

Olaf Bockhorn: St. Silvester in Welzelach. Eine bäuerliche Wallfahrt in Osttirol. In: Rotraut Acker- Sutter( Hg.):Heimat als Erbe und Auftrag. Beiträge zur Volkskunde und Kulturgeschichte. Festschrift für Kurt Conrad, Di-rektor des Salzburger Freilichtmuseums, zum 65. Geburtstag. Salzburg 1984, S. 477–489.

Olaf Bockhorn: Volksfrömmigkeit- Sekten

=

Neue Religionen. Empirische Ansätze zur Erforschung, neuerFrömmigkeit" in Österreich. In: Helmut Eberhart, Edith Hörandner, Burkhard Pöttler( Hg.): Volksfrömmigkeit.Wien 1990, S. 351–366.

47 In: Hartmut Prasch( Hg.): Jahrbuch für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/ Drau3( 1989), S. 21-30.

48 Olaf Bockhorn: Museen und Sammlungen in Niederösterreich. 1. Viertel unter dem Wienerwald. Pram, 2.verm. Aufl., 1982.

23