faßt, und von Goldstern auch zureichend als Kulturgut des ,, Hoch-gebirgsvolkes in Savoyen und Graubünden" dargestellt worden 62).Spezialgebiete, wie das primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Kinderspielzeug dieser hoch-alpinen Landschaften, sind durch sie erst richtig erschlossen wor-den 3). Österreichische Kleinlandschaften verwandten Charakterswie das salzburgische Lammertal haben ebenfalls durch sie ihreerste volkskundliche Bearbeitung erfahren 64). Für den Balkanhaben verschiedene Schüler Haberlandts in ähnlicher Weise ge-wirkt, vor allem sein Sohn Arthur Haberlandt, der denVater bereits früh auf Sammelreisen begleitete, später MarianneSchmid besonders in Bulgarien 65). Um die Jahre der Okku-pation Bosniens und auch noch später waren auch viele Volks-kundler des Balkan selbst durchaus nach Wien orientiert, undstattliche Beiträge in Haberlandts Zeitschrift legen für diese Ver-bundenheit Zeugnis ab. Diese Schüler- und Mitarbeiterverhält-nisse haben bis in die nächsten Abschnitte, auch in die Zeit nachdem ersten Weltkrieg weitergelebt und der österreichischenVolkskunde mehr an internationalem Ansehen verliehen als diespäteren Arbeiten im Lande selbst.
Zusammenhänge der Volkskunde mit der Beschäftigungder Künste mit dem Volksleben sind in diesem Zeit-abschnitt nicht in jenem Ausmaß festzustellen wie etwa geradenoch im vorhergehenden. Dem Naturalismus in der Literaturentspricht auf österreichischem Boden wenig, das direkt hierher-zurechnen wäre 66). Die wienerische Unterhaltungsliteratur be-zieht stofflich manches von hier, noch mehr die alpenländischeMundartdichtung, etwa mit Hans Fraungruber. Weitaus amstärksten sind die Tiroler, besonders Karl Schönherr 67).Neben ihm und Franz Kranewitter sei jedoch auch aufden unterhaltenden Rudolf Greinz hingewiesen, der sichnicht nur mit der humorvollen Gestaltung des Tiroler Bauern-tums, z. B. in seiner ,, Tiroler Bauernbibel", sondern auch mit dervolkskundlichen Sammlung beschäftigte, und mit J. A. Kapferergemeinsam Tiroler Lieder und Schnaderhüpfel herausgab. Aufdem Gebiete der Malerei steht es recht ähnlich, nur daß hierdoch die Wiener Entwicklung auch bemerkenswert erscheint. VonEmil Jakob Schindler geht zu Karl Moll eine Verbin-dungslinie, auf der immer Anteil am Volksleben zu finden ist 68).In die ästhetischen Versuche um die Jahrhundertwende stößt danndie glückliche Stoffaufgreifung aus dem Wiener Volksleben durchJosef Engelhardt geradezu befreiend hinein 69). Die Tirolerstehen malerisch bereits auf einer dem Stoff etwas entfremdetenSeite; immerhin hat Ferdinand Andri noch Beziehungendazu. Außerhalb aller hier laufenden Verbindungen steht dergrößte Gestalter bäuerlicher Themen in dieser Zeit, der einem
121