von den Reisenden gefordert wurden und geradezu als eines derHaupterfordernisse für die Kenntnis des neuen Kaisertums dar-getan werden konnten. Derartigen Argumenten zeigten sich dieKunsthändler nicht verschlossen: Tranquillo Mollo beauf-tragte bereits 1803 Wilhelm Friedrich Schlotterbeck,1777-1819, einen geborenen Schweizer, mit Aufnahmen bemer-kenswerter Landschaften.36) Schlotterbecks Landschafts- undTrachtenserien wurden zu einem bedeutenden Erfolg Mollos, derin der Folge dieses Geschäft bedeutend ausbaute, so daß seineStichfolgen quellenkundlich den stärksten Bestand der Trachten-forschung darstellen.
Über diese Gebrauchsgraphik hinaus hat die bildende Kunstdes Empire noch durch das Miterleben des Tiroler Freiheits-kampfes einen gewissen Zugang zur Darstellung des Volkslebensgefunden. Zahlreiche Bilder Andreas Hofers und mancher seinerBauernhauptleute gaben Anlaß zur Darstellung der Tracht. 37)Besonders wesentlich ist die große Komposition ,, Tiroler Land-sturm 1809", welche der vom Tiroler Hirtenbuben zum bedeu-tenden Maler aufgestiegene Josef Anton Koch 1819 ge-schaffen hat.38) Der Geist der Begebenheit ist in dem Bild weit-gehend enthalten, so wenig Koch sonst derartige Motive gelegenwaren. Quellenkundlich aber ist das Bild besser als die meistenSchöpfungen der zeitgenössischen Trachtenmaler, da Koch ebenaus dem Erleben seiner bäuerlichen Kindheit heraus schaffenkonnte; insbesondere in den Frauentrachten ist das Bild von einervorzüglichen Genauigkeit.39)
Damit hatte aber auch die bildende Kunst im Zeitalter desEmpire einen Beitrag zur Volkskunde geleistet, der zusammenmit den statistischen Arbeiten der Zeit einen beträchtlichen Grund-stock für die Arbeit der nächsten Periode abgeben konnte.
V.
Biedermeier und Romantik
Der Zeitraum von 1815 bis 1848 und die geistig wie zeitlichbenachbarten Jahrzehnte bilden die glänzendste Epoche der öster-reichischen Volkskunde, soweit sich eine solche in der letzten nochvorwissenschaftlichen Periode überhaupt entwickeln konnte. Wasauf Grund der Anregungen aus der josephinischen Aufklä-rung und dem franziszeischen Zentralismus, vermehrt undverstärkt durch die geistigen Anstöße der deutschen Romantik,entstehen konnte, das gestaltete sich auch.¹) Dabei ergaben dierationalistischen Züge der Zeit die Grundlage der Beobach-tung und der Abstandshaltung, die romantischen aber die derEinfühlung, welche vielleicht den vorhergehenden Zeit-
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