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Geschichte der österreichischen Volkskunde
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Geschichte der österreichischen Volkskunde

Auf österreichischem Boden und vor allem anhand des ge-waltigen Stoffes der österreichischen Volkskultur haben sich dieVersuche, das Leben in überlieferten Ordnungen zu überschauenund zu verstehen, stets in eigenen Formen abgespielt. Der Eigen-wuchs der österreichischen Wissenschaft läßt sich gerade in allenseinen traditionellen Äußerungen besonders gut ablesen. Herz-hafte Kenntnisnahme, innige Verbundenheit sind hier ebensodeutlich wahrzunehmen, wie bewußte Distanzhaltung, Wille zurehrlichen Objektivität zu einem gesunden Realismus. Dabeigehen diese Bemühungen dauernd in mehreren Strömungen vorsich, die einander nur gelegentlich berühren oder überkreuzen;fremde Bemühungen übertreffen in manchen Zeiträumen einhei-mische Vernachlässigungen, fremde Herabsetzungen werden inanderen Epochen wieder durch einheimische Hochschätzung undumfassende Bemühung aufgewogen. Alle Bewegungen der euro-päischen Geistesgeschichte haben das Bild unserer Volkskundemitgeformt, in Zeiten, da sie diesen Namen noch nicht trug wie injenen wenigen Jahrzehnten, seit sie ihn mit Energie und Vitalitätals Banner hochhält; alle Bewegungen, die dabei weiterleiteten,haben hier nicht nur stets ihr Echo vernehmen können, sondernsind zu guten Teilen von hier ausgegangen oder doch intensivmitgefördert worden. Das soll der nun folgende Gang durch dieGeschichte unserer Forschung zeigen.

I.

Humanismus und Renaissance

Die Geschichte der Volkskunde ist die Darstellung eines sehrallmählichen Wachstums. Aus den verschiedensten Anregungenheraus, aus zunächst ganz disparat erscheinenden Wurzeln sindmit der Zeit die verschiedenen Zweige der Forschung entsprossen,nebeneinander, die längste Zeit in ihrer inneren Einheitlichkeitnicht erkannt und daher nicht in Verbindung gesetzt. Das Ge-meinsame an allen diesen Bestrebungen ist eine gewisse Distan-zierung eines Betrachters vom allgemein Geläufigen. Das Üblichemuẞte als etwas Eigenartiges und Besonderes erkannt werden,es multe vor allem einmal zu Bewußtsein kommen.

Die beste Ansatzmöglichkeit für eine derartige Besinnungbedeutete seit langem schon der Gegensatz zwischen der im

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