umschreiben: Die Bekanntheit des Wortes ,, Volkskunde" undseiner verschiedenen Verbindungen steht in einem umgekehrtenVerhältnis zur Klarheit des Begriffes, der damit verbunden wird.Da es aber eine wissenschaftliche Disziplin„ Volkskunde" gibt,so hat sie auch die Verpflichtung, Aufklärung über ihr Wesen zugeben. Vor jeder anderen Art der Darstellung dieses Weseus, dassich ja aus ihrer Geschichte ergeben würde, muß daher eine kurzeDarlegung ihres Begriffes, ihres Umfanges und ihrer Methodestehen.²)
Der Begriff der Volkskunde
Volkskunde ist die Wissenschaft vom Leben in überliefertenOrdnungen. Das heißt, daß die Volkskunde eine Grundwissen-schaft, ähnlich wie die politische Historie, darstellt, und wie dieseeine Gesamtheit von Phänomenen des menschlichen Lebens erfaẞt.Während die Geschichtswissenschaft jedoch die Dinge ihremWerden nach verfolgt, ist die Volkskunde vor die Aufgabe ge-stellt, sie ihrem Sein nach darzustellen. Der Dynamik des An-stoßes und Ablaufes, welche die Geschichtswissenschaft erforscht,wird also hier die Statik des Bleibens und Verharrens gegenüber-gestellt. Diesem Gegensatz entspricht es ferner, daß die Geschichts-wissenschaft die Dinge ihrem gesonderten Auftreten nach sieht,wogegen die Volkskunde sie in ihren überlieferten Ordnungenfeststellt, die Einzelelemente in diese Ordnungen eingliedert undaus ihnen heraus begreiflich zu machen versucht. Viele Erschei-nungen greifen hier freilich ineinander über, und es ist selbst-verständlich, daß die Geschichtsforschung, insbesondere ihr sozial-und wirtschaftsgeschichtlicher Zweig, in den letzten Jahrzehntenmehrfach bereits volkskundliche Methoden und Fragestellungenverwendet hat, wie ja auch die Volkskunde zur Erforschung desWesens einer Erscheinung immer auch zu ihrer historischen Auf-schließung greifen muß und dies auch seit längerem mit Erfolgzu tun bestrebt ist.
Die Einengung in dieser begrifflichen Hinsicht zeigt übrigens,daß die Volkskunde keine jener grenzenlosen Pseudowissen-schaften romantischer Prägung ist, die ab und zu in der Wissen-schaftsgeschichte die älteren Disziplinen zu überwuchern scheinen.Es handelt sich hier vielmehr um eine bewußt gewählte Be-schränkung auf der Grundlage der Erkenntnis der Grundhaltungdes volkstümlichen Lebens. Die überlieferten Ordnungen allerArt sind für dieses maßgebend und bleiben es auch, allen roman-tischen Behauptungen vom Schwinden des volkstümlichen Wesenszum Trotz. Neben dem bewußten Handeln, dem reflektierendenLeben, das den Stoff der Geschichte bildet, steht immer und über-all das ungleich umfangreichere unreflektierende Denken, Fühlen
10