digen volkskundlichen Abteilung des Joanneums in Graz 1911durch. Das 1917 in das Schönborn- Gartenschloß einziehendeWiener Museum erblickt sich als Repräsentation einer europäisch-vergleichenden Volkskunde 98). Das 1916 in das ehemalige Kapu-zinerkloster in Graz übersiedelnde Steirische Volkskunde- Museumdagegen wird zum Mittelpunkt einer zentral auf das heimatlicheWesen eingestellten Forschung ⁹9).
In ihrer Eigenart und in ihrem Eigenwert können jedochsowohl diese markantesten wie alle anderen Ergebnisse diesesZeitabschnittes durchaus als Gewinn betrachtet werden. Die ge-samte weitere Forschung, gleichgültig welcher geistigen Richtung,beruht auf ihnen. Die Anerkennung des selbständigen Wertes derVolkskunde als Wissenschaft ist vollzogen.
VII.
Neuromantik und Nationalismus
Der bedeutenden Sachlichkeit, welche sich die Volkskunde imZeitalter des Liberalismus erarbeitet hatte, konnte, einem eigen-artigen Gesetz des europäischen Kulturablaufes zufolge, dieromantische Reaktion nicht erspart bleiben. Ein jederzeit mitunterlaufender Dilettantismus trug den Keim zu neuromantischerUnsachlichkeit bereits in sich, und Auflösungs- und Verunglimp-fungserscheinungen von seiten einiger romantisch angelegterWissenschaftszweige bereiteten die weitere Entwicklung vor. DieVolkskunde fand in sich selbst den Keim zu dieser Entfaltung;vieles wurde jedoch auch von außen, von der Seite verschiedenerHilfswissenschaften an sie herangetragen. All dies ging im engenZusammenhang mit der politischen Entwicklung vor sich undzeitigte wie diese Gewinne und Verluste.
Zu
Ohne diese Entwicklung hier näher charakterisierenwollen, sei doch auf das Sichverstärken der nationalen wie derkatholischen Tendenzen in den letzten Jahrzehnten der altenMonarchie als Hauptbewegung in dieser Richtung hingewiesen.Insbesondere die nationale Bewegung" in ihren viel-fältigen Schattierungen trug eine ausgesprochene Neigung zurVolkskunde in sich. Aus romantischen Wurzeln erwachsen, sah siesich in den Jahren der Sprachenverordnungen, des Mündigwerdensder nichtdeutschen Nationen der Monarchie um wissenschaftlicheGrundlagen ihrer Ansprüche um, und glaubte diese vor allem beieiner Volkskunde zu finden, wie sie freilich nicht der um 1900blühenden, sondern eben der aus der Nachfolge der Romantikentsprach. Während die Volkskunde im Sinne Michael Haber-landts geradezu berufen war, nationale Vorurteile abzubauen undeine gewisse Gleichwertigkeit der volkstümlichen Grundschichten
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