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Geschichte der österreichischen Volkskunde
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Mindestens ebenso wichtig wie derartige Verbindungsauf-nahmen war und ist es jedoch, daß nur der weiteste Umfang desFaches das Leben in seiner Gesamtheit zu erschließen imstandeist, soweit es sich unter den Vorzeichen der überlieferten Ord-nungen vollzieht. Die Einbeziehung der Kunst-, Literatur- undMusikwissenschaft in diese Art von Volkskunde wird von hieraus gerechtfertigt, soweit die Volkskunde die Grundlagen derindividuellen Leistungen auf diesen Gebieten feststellen kann undwill. Der gesamte Umkreis der musikalischen Sitte, vom Turm-blasen bis zur Kammermusik bei Hof, die eigentliche Musik-Übung also, gehört beispielsweise hierher, ein unglaublich weitesGebiet der Theaterforschung ebenfalls, von der Bühnenform biszum Publikum, ferner der größte Teil der stofflichen Seite derKunstgeschichte. Gewisse Disziplinen wie die Architektur-forschung sind heute ohne volkskundliche Grundlagen überhauptnicht zu denken. Inwieweit sich hier die Fühlungnahme noch inForm der Heranziehung von Hilfswissenschaften abspielen wird,mag der Zukunft überlassen sein. Wesentlich scheint nur der Hin-weis auf die Notwendigkeit der Verständigung überhaupt. Überdas hilfswissenschaftliche Maß geht beispielsweise das Verhältniszur Religions- und Kirchengeschichte hinaus. Besonders die posi-tivistische Periode hat ja einen ganzen großen Teil der Reli-gionswissenschaft auf volkskundliche Grundlagen gestellt. Wiesehr hier die Freiheit der Forschung von Werturteilen von Be-deutung ist, hat die nationalistische Periode gezeigt, in der diegerade vorher bedeutsam angebahnte religiöse Volkskunde einervollkommen falschen Beurteilung unterzogen wurde. Freilichspielt hier auch der Dilettantismus herein, der in der natio-nalistisch- symbolistischen Zeit die reale Forschung mitunter zuüberwuchern drohte.

Eine Hauptaufgabe der Zukunft auf dem Gebiete der Umfangs-erkenntnis wird aber die Berücksichtigung der Soziologie sein.Erst eine klare Darstellung der Möglichkeiten der gesellschaft-lichen Grundlagen aller überlieferten Ordnungen wird der Volks-kunde das kräftige Rückgrat verleihen, das sie zur Durchsetzungihres fachlichen Ansehens benötigt.

Die Methode der Volkskunde

Die Geschichte der österreichischen Volkskunde ist nichtsweniger als die Geschichte ihrer Methoden. Die Abhaltung vomakademischen Lehrbetrieb, die Fortführung durch ganze Reihenbegabter Einzelforscher, die wertvolle Hilfe ungezählterDilettanten haben nicht zur Entwicklung von Methoden geführt;an allen diesen Erscheinungen läßt sich im Gegenteil Gewinn wieVerlust durch Methodenlosigkeit ablesen. Wenn man für die

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