Einleitung
Der Stand der Kenntnisse auf dem Gebiete der Volkskundeist in weiten Kreisen, auch im Bereiche der Hochschulen, verhält-nismäßig gering. Dies ist nicht zuletzt durch das Fehlen von volks-kundlichen Unterrichtsmöglichkeiten, besonders von Lehrkanzelnbegründet. Seit Jahrzehnten wird die Volkskunde an allen Uni-versitäten Österreichs wohl durch Hochschullehrer vertreten, dochsind keine Institute für sie geschaffen worden. Begründet wirddies durch den Mangel einer praktischen Nötigung, da für aus-gebildete Volkskundler keine Berufsaussichten bestünden. Dergeringe Bedarf der Museen und sonstigen Forschungsinstitutekönne durch die freiwillig Studierenden gedeckt werden.
Nun haben gerade unsere Jahre gezeigt, daß nicht einmaldieser Bedarf mehr gedeckt werden kann, daß vielmehr fastkein volkskundlicher Nachwuchs mehr vorhanden ist. Die allge-meine Unkenntnis auf volkskundlichem Gebiet ist in erschrecken-dem Ausmaß angestiegen. Jedes dilettantische Unternehmen, dasunter dem Namen der Volksbildung, der Volkspflege usw. auf-gezogen wird, schmückt sich jeweils auch mit dem guten Nameneiner Wissenschaft, bei der man dies ungestraft tun darf, weilniemand ihren Namen ernstlich verteidigen kann. Es erscheintalso mehr als notwendig, die Möglichkeit für die Ausbildung vonFach- Volkskundlern zu schaffen. Mit ihrem Dasein werden sichauch die Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben, wie sich mit demHeranwachsen von Kunsthistorikern deren berufliche Verwendunggegeben hat. Auch Kunstgeschichte ist nicht als Lehrfach an denMittelschulen eingeführt worden, um jenen Einwand zu berück-sichtigen, der bei der Berufswahl der Volkskundler am meistenins Treffen geführt wird. Die politische Geschichte beherrscht nachwie vor die Bildung, und die Volkskunde wie die Kunstgeschichtebleiben für die Hochschulen aufgespart. Ob dies nun richtig oderunrichtig sein mag, jedenfalls ist es aber der Kunstgeschichte ge-lungen, ihre Notwendigkeit wenigstens an den Hochschulen dar-zutun, wogegen es der Volkskunde noch nicht völlig möglich war.¹)
Dies muß zum Teil wenigstens auch Schuld der Volkskundeselbst sein. Da jedoch in keiner Wissenschaft der Gegenstand anseiner Berücksichtigung oder Vernachlässigung die Schuld tragenkann, handelt es sich um einen Mangel in der Begriffsbildung vonseiten der Forschung, und dieser Mangel wäre etwa wie folgt zu
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