Vorbilder der niederländischen wie der neapolitanischen Genre-maler doch schon einigermaßen. Den meisten Gewinn zieht dieneuere Forschung quellenmäßig freilich wohl aus den Porträtsder Zeit. Daneben bleiben aber doch auch Trachtenbilder, wie diedes Wahl- Linzers Wolfgang Johann Kadorizzi( in Linz1697-1730); beachtenswert, dem seine Bauern- und Wirtshaus-szenen den Beinamen des„, oberösterreichischen Brouwer" einge-tragen haben.40) Ein für das Sittenbild sehr begabter Wiener derZeit, Franz de Paula Ferg, hat sich anscheinend ganz derDarstellung des italienischen Volkslebens gewidmet.¹¹) Die Ver-flechtung der österreichischen mit der italienischen Malerei ent-spricht in diesem Zeitalter der engen politischen Bindung derLänder allerdings ganz dem Volksleben selbst. Quellenmäßigwurde übrigens der zwischen italienischen und niederländischenEinflüssen stehenden Genremalerei der Zeit noch nicht genügendeBeachtung geschenkt. Bei den meisten österreichischen Barock-malern, etwa dem Kärntner Josef Ferdinand Fro-miller, 42) dem Tiroler Paul Troger, 43) dem VorarlbergerAnton Maulpertsch 44) und vielen anderen, finden sichjedoch in dieser Hinsicht beachtenswerte Züge.
Solang in der Barockzeit diese Verflechtungen und Anregungenim Vordergrund stehen, kann von einer Forschung kaum die Redesein. Erst das allmähliche Aufhören des ganzen Zeitalters, dieKrise Österreichs beim Aussterben der Habsburger im Mannes-stamm und die stärkere Zuwendung zum deutschen und protestan-tischen Geistesleben sowie der steigende Einfluß der französischenAufklärung ermöglichen den Übergang zur nächsten Periode.
III.
Rokoko und Aufklärung
Bei allen äußeren und inneren Zusammenhängen zwischenBarock und Rokoko gestaltet sich doch die Entwicklung derGeisteswissenschaften im Zeitalter des Rokoko gerade gegensätz-lich der in der vorhergehenden Epoche. Die zeitlich verhältnis-mäßig eng, nämlich auf die Regierungszeiten Maria Theresias undJosefs II. begrenzte Periode ist geistig so stark bewegt wie kaumeine andere. Um die in ihr auftretenden Entwicklungsphasen derVolkskunde zu charakterisieren, müssen die beiden Haupt-strömungen, die in der Wirklichkeit gleichzeitig verliefen, nach-einander dargestellt werden. Das fortlebende Barock in seinenverjüngten Formen hat nämlich mit der eigentlichen Volkskundeder Aufklärung fast keine Berührungspunkte.
Dieses fortlebende Barock ist die weiterdauernde freundlicheAnteilnahme am Volksleben, wie sie nicht wissenschaftlich, son-
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