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Geschichte der österreichischen Volkskunde
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Geschichte der Volkskunde die Zeit der Renaissance. Was siejedoch an Gewinn gebracht hatte, endete nicht mit ihr, sondernwirkte vielfach weiter.

II.

Barock und Rationalismus

Die Gegenreformation, welche als stärkste oberschichtlicheBewegung die Zeit um und nach 1600 kennzeichnet, ist zunächstals reine Reaktion aufzufassen. Was der Protestantismus anNeuerungen gebracht hatte, und seien sie auch im Geist der Zeitgewesen, wird negiert und bewußt auf das Vortridentinische, wo-möglich das Mittelalterliche zurückgegriffen.¹) Für die Volks-kunde erwächst daraus der nicht unbedingt zu erwartende Ge-winn, daß gewisse Schichten und Inhalte des Volkstümlichen da-durch literarisch erfaßt werden, die bisher unberücksichtigtblieben, sowie Teile älterer Überlieferungen, die bei der baldnachher einsetzenden stürmischen Neugestaltung der Hochbarock-zeit untergingen.²)

Am deutlichsten ist diese reaktionäre Haltung, die nicht auseinem humanistischen Abstandsbewußtsein, aber aus ihrer kon-servativen Veranlagung heraus in die Richtung der Volkskundegeriet, auf dem Gebiete des volkstümlichen Kirchen-liedes festzustellen. Der deutsche Kirchengesang hatte sichinfolge der Förderung durch das Luthertum dermaßen nachhaltigdurchgesetzt, daß an eine Zurückschraubung der Entwicklungnicht zu denken war. Die erste Periode der Gegenreformation,die selbst recht unschöpferisch war, sah sich daher gezwungen,auf das mittelalterliche Liedgut zurückzugreifen, um das konkur-rierende Lied der Protestanten auszuschalten. In allen Land-schaften der Gegenreformation entstanden daher Liedersamm-lungen, die zum guten Teil aus den mündlichen Volksüberliefe-rungen schöpften. In Österreich hat der Schulmeister vonSt. Lorenzen im Mürztal Nikolaus Beuttner 1602 dieseAufgabe übernommen.³) Beuttner war wie viele der gegenrefor-matorischen Intelligenzler in Steiermark kein Einheimischer, son-dern stammte aus Geroltzhofen in Franken. Vielleicht hat jedochdieser landschaftliche Abstand ihn bei seiner Sammelarbeit unter-stützt, die das Catholisch Gesang Buch" nicht nur zu einer Aus-lese aus den verwandten Liedersammlungen der Zeit, sondernauch zu einer Ausgabe der volkstümlichen Rufe und Litaneienwerden ließ. Beuttner bezeugt seine sammlerische Tätigkeit selbstin seiner Vorrede: Weil dann nun jetzundt vmb diese Refierallenthalben diese fast gleichförmige Gesänger nützlich gebrauchtwerden, hab ich desto mehrer Vrsach gehabt, auff daß nicht solche

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