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Geschichte der österreichischen Volkskunde
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schen Miscellen", der zweite Band seiner Kleineren Schriften,1874, liefert ebenso wie andere seiner schmalen Bücher wertvolleErgänzungen dazu. Wichtige Fragen der Tiroler Volkskultur, wiedie Geschichte der Zillertaler ,, Nationalsänger", der FamilieRainer22), erhielten durch Steub ihre erste Bearbeitung.

Auch der Bayer J. Friedrich Lentner hat sich in dengleichen Jahrzehnten um die Tiroler Volkskunde sehr verdientgemacht. Besonders seine Abhandlung ,, Über Volkstracht im Ge-birge" ist wegweisend geblieben 23).

Am fruchtbarsten war aber doch zweifellos der InnsbruckerBibliothekar Ludwig von Hörmann, der vielleicht als derbedeutendste Volkskundler Österreichs in diesem Zeitraum ange-sprochen werden kann. Er hat seine Eindrucksaufzeichnungenund Sammlungen ein Leben lang mit Frische und Humor zu ge-stalten gewußt, dabei die Traditionen des Biedermeiers in mancherHinsicht wieder aufgenommen, aber durch eine beträchtliche histo-rische Vertiefung, die mit der Steubs wetteifert, dem Sammel-stoff zu größerem Relief verholfen. Seine aus der Beobachtung er-wachsenen Schilderungen, urprünglich meist auch als Einzelauf-sätze entstanden, sind in den buchmäßigen Sammlungen geradezuklassisch geworden. Das ,, Tirolische Volksleben", 1875, mit denSchilderungen der Bräuche im Jahres- wie im Lebenslauf ist für diegesamte spätere Brauchtumsforschung Glossary ::: show glossary-entry  Brauchtumsforschung grundlegend geworden. Die,, Tiroler Volkstypen Glossary ::: show glossary-entry  Volkstypen", 1877, bedeuten die beste Ergänzung nach derSeite der individuellen Gestaltung des Volkslebens, im Gegensatz zuseinem Ablauf im Rahmen der allgemein geläufigen Überlieferun-gen. Seine bibliophil gestalteten kleinen Sammlungen auf demGebiet des Volksspruchwesens rücken Hörmann an die zeit-genössische Liedforschung heran; drei Bändchen Grabschriftenund Marterln", die ,, Haussprüche aus den Alpen" wie besondersdie Volkstümlichen Sprichwörter und Redensarten aus denAlpenländern" bezeugen Hörmanns Vielseitigkeit 23a).

Ähnliche Gestalten wie Hörmann besitzen in dieser Zeit diemeisten österreichischen Länder, wenn auch freilich nicht alle vongleicher Begabung. Besonders beachtenswert sind die beiden gutenSchilderer Kärntens, Rudolf Waizer mit den beidenFolgen seiner Kultur- und Lebensbilder aus Kärnten", 1870, undFranz Franziszi mit seinen Culturstudien über Volks-leben, Sitten und Bräuche in Kärnten", 1879, die Rosegger ein-leitete. Von hier aus ist also Anregung gegeben gewesen, aberauch von der in Kärnten besonders gut vertretenen landeskund-lichen Forschung, wie sie sich um die Zeitschrift ,, Carinthia"gestaltete.

Am stärksten ist die feuilletonistische Art der Betrachtung desVolkslebens selbstverständlich in Wien selbst vorauszusetzen und

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