Obermayr erschienenen beiden„ Bildergalerien katholischer",bezw. ,, klösterlicher Mißbräuche", 1784, welche die gesamten volks-tümlichen Begleiterscheinungen des barocken Kirchenwesens kriti-sieren. 62) Manche Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen, wie das Treiben amHernalser Kalvarienberg zur Fastenzeit oder das Räucherngehen.die Weihnachtsmetten usw., werden bei aller boshaften Ironie undPolemik doch anschaulich geschildert.
Ähnlich steht es zur gleichen Zeit mit einer großen Anzahlanderer, weit weniger bekannter und genannter Schriftsteller, vorallem Broschürenschreiber der Zeit. Mancher dieser zeitbedingtenKampfschriften wurden schon gewürdigt, so Hägrads ,, AchterBeitrag zur Schilderung Wiens über die Vorurtheile des Niko-lausgespenstes, durch dessen Gepolter die Einbildungskraft derMinderjährigen so thorecht als unbillig mißhandelt wird", 178463),oder Johann D. Hanners Broschüre„ Was ist der Nikola?Nannerl! schau! schau! dort steht der Wau, Wau! Schon kommter geloffen herab vom Feldbau", 1782 64), die so volkstümlich ist,daß sie schon im Titel ein bekanntes Lied des Weihnachtskreiseszitiert.65) Die mit typisch volksbarocken Begleiterscheinungenvollzogenen Weihnachtsmetten werden in einer anonymen Bro-schüre ,, Über die Abschaffung der Weihnachtsmetten und Verän-derung in eine Tagesandacht wegen der dabey vorgehenden Un-ordnungen und bisweilen gelegentlichen Ausschweifungen", 1781,anschaulich beschrieben.66) Besonders ausführlich werden ebenalle Fragen der religiösen Volkskunde behandelt. Das Kapitelder Wallfahrten, das Richter in seiner„ Bildergalerie" einer ver-nichtenden Kritik unterzog, bildet das Thema einer ganzen Gruppevon Broschüren, von der nur die anonymen ,, Gedanken über dieWallfahrten im Östereich. Von einem Pfarrer auf dem Lande",1781, erwähnt sei.
Die Wallfahrten sind auch eines der Hauptthemen des vier-bändigen, anonym erschienenen Werkes„ Die Heiligen nach denVolksbegriffen", 1791, von Josef Valentin Eybel, 1741 bis1805. Eybel war Landrat in Linz und als solcher der Vollstreckerder josephinischen Reformen in Oberösterreich. Seiner praktischenTätigkeit wie seiner schriftstellerischen Polemik hatten nicht nurdie Journalisten der Aufklärung, sondern auch die Theologenselbst vorgearbeitet. Die Wienerische Kirchenzeitung", 1784 bis1789, des Propstes M. A. Wittola, wie dessen„ Neueste Beiträgezur Religionslehre und Kirchengeschichte" bearbeiteten währenddes ganzen Jahrzehntes das umfangreiche Material der bekämpf-ten und zu bekämpfenden Gegenstände. Daß dabei wie beiEybel selbst genügend Volkstümliches miteinfließen mußte, nimmtnach dem Vorhergehenden nicht mehr wunder. Aber auch weni-ger bedeutende Mitläufer der Aufklärung, die späterhin auf die
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