tung haben. Die kultische Bedeutung des Lukasbildes hat sich in dieserZeit auch schon auf die bald selbst als solche geltenden böhmischen Gnaden-bilder des 14. Jahrhunderts erstreckt. So ist selbst Albrecht Dürers„ Ma-donna mit der Birne", die im Zusammenhang mit einem Typus der böh-mischen Gnadenbilder steht, letzten Endes ein Zeugnis für die kultische unddamit auch ikonographische Tradition der byzantinischen Marienikone( 151-157)( Abb. 22).
Zu den während der Barockzeit in Wien und Niederösterreich verehrtenMariengnadenbildern westkirchlicher Herkunft, die ihre ikonographischeund typologische Wurzel im italienischen Dugento haben, gehören als Zeug-nisse jener von Rom ausstrahlenden Verehrung stadtrömischer Gnadenbilderdie Kopien des Lukasbildes der Hodegetria von S. Maria Maggiore, dasMariaschneebild( Abb. 5)( 29-39), dessen Verehrung von den Jesuiten undHabsburgern in gleicher Weise gefördert wurde, die Kopie der Hodegetriavom Typus der Psychosostria von S. Maria del Popolo in Maria Langegg( 40)( Abb. 6) als Beispiel einer schon seit dem späten Mittelalter belegtenVerehrung dieses Lukasbildes und die Kopien der Eleousa von S. Pantaleo,des Ordensheiligtums der Piaristen( Abb. 12)( 48-51). Auch die Vorbilderdes Gnadenbildes der Kapuzinerkirche in Wien( 42)( Abb. 8) und der ehe-maligen Kirche der beschuhten Karmeliter auf der Laimgrube in Wien( Abb. 10)( 47) galten als Lukasbilder. Die Verbreitung beider ist ebenso wiedie des Ordensheiligtums der Piaristen ordensgeschichtlich bedingt. Vielleichtmit dem Gnadenbild von Ara Coeli in Rom in Zusammenhang und insofernauch Nachfolger eines stadtrömischen Lukasbildes ist eines der bedeutend-sten Gnadenbilder des gegenreformatorischen Österreich, die Muttergottesmit dem geneigten Haupt( 52)( Abb. 31), die als Palladium des Hauses Öster-reich und als Ordensheiligtum der unbeschuhten Karmeliter selbständig undin Filiationen weiteste Verbreitung gefunden hat. Eine Anzahl von für Wienund Niederösterreich weniger bedeutenden( 61-64)( Abb. 13, 14) und z. T.in ihren Vorbildverhältnissen nicht geklärten Gnadenbildern ergänzen dasBild.
Das 14. Jahrhundert hat diesseits und jenseits der Alpen, und zwar nochin engem Zusammenhang mit der byzantinischen Ikonographie der Mutter-gottes die ersten wirklich selbständigen abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Marienbildtypengefunden. Aus beiden Kunstbereichen stammen Vorbilder für in Wien undNiederösterreich während der Barockzeit verehrte Gnadenbilder. Dabei istin einem Fall( 68)( Abb. 9) die Möglichkeit gegeben, daß es sich um eineKopie eines italienisch trecentesken oder böhmischen Gnadenbildes des 14.Jahrhunderts handelt. Das bedeutendste Gnadenbild dieser Gruppe ist fürunseren Bereich die„ Muttergottes vom guten Rat" aus Genazzano( Abb. 11),eine Eleousa in der besonderen Ausprägung des 14. Jahrhunderts, deren weitverbreitete Kopien auf Grund einer ordensmäßigen Verehrung durch dieAugustinereremiten entstanden sind( 70-78). Letzten Endes auf ein italieni-sches Vorbild, wahrscheinlich auf eine Eleousa des Barnaba da Modena,gehen die Kopien des Gnadenbildes von S. Rosa bei Lima zurück( 66, 67)( Abb. 15). Die böhmischen Gnadenbildtypen des 14. Jahrhunderts haben inNiederösterreich durch die Kopien des Gnadenbildes von Königssaal( 79)und des Gnadenbildes von Alt- Bunzlau( 80-82) Verbreitung gefunden.Letztere stehen wohl in Verbindung mit der seit dem 18. Jahrhundert auf-kommenden Verehrung des Hl. Johannes von Nepomuk, der selbst wiederdem Gnadenbild von Alt- Bunzlau große Verehrung entgegenbrachte.
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