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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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stellt sozusagen die kultgeographische Verbindung zwischen Kandia undWien dar. Hier ist auch auf die Ikone der Muttergottes der Wiener Geist-lichen Schatzkammer hinzuweisen, die nach der Tradition auf dem BergAthos für Kaiser Leopold I. und dessen Gemahlin Eleonore Magdalena ge-malt wurde 271) und als Beweis für die weiter unten noch aufzuzeigendeVerehrung der Gnadenbilder byzantinischer Tradition innerhalb der Dy-nastie gelten kann. Daß der Grund für die kultische Übernahme ostkirch-licher Originale durch die Westkirche die Hilfe in Feindesgefahr ist, be-weisen die Predigten Abrahams a Santa Clara für Maria Pötsch( 3) und dieLegenden des früheren Schicksals Maria Candias( 1) in der von den Türkenbedrohten Hauptstadt Kretas. Besonders Maria Pötsch wurde durch denihr zugeschriebenen Sieg Prinz Eugens bei Zenta geradezu im Sinn derSmolenskaja Stadt- und Staatsheiligtum. Wie bedeutend in diesem Zusam-menhang der ikonographische Typus war, ist daraus ersichtlich, daß eineIkone gesichert ostkirchlicher Herkunft, die ebenfalls aus Kreta stammteund von höchster Stelle verehrt wurde, jedoch einem anderen ikonographi-schen Typus angehörte, ohne kultische Resonanz blieb 272).

Neben diesen ostkirchlichen Originalen sind Kopien nach der Mutter-gottes von Czenstochau( Abb. 3)( 15-20) Zeugnis für die Verehrung einesGnadenbildes aus dem Grenzgebiet der lateinischen und griechischen Kirche,das in beiden große Verehrung genoß. Ikonographisch handelt es sich wie-derum um eine als Lukasbild geltende halbfigurige Hodegetria, die ihreVerbreitung in Wien und Niederösterreich z. T. den Niederlassungen desPaulinerordens verdankt, der auch das Original in Czenstochau betreut.Außerdem ist auch das Alt- Brünner Gnadenbild( Abb. 4), ebenfalls einehalbfigurige Hodegetria, in einigen Kopien in Wien und Niederösterreichfaßbar( 21-28). Das Czenstochauer und das Alt- Brünner Gnadenbild ver-treten kultgeschichtlich den Typus der im westkirchlichen Bereich ausden Hausschätzen von Dynastien zur Verehrung gelangenden Lukasbilder,die ihre Herkunft legendär aus Byzanz ableiten.

Die ostkirchlichen Originale können als späte und dadurch in ihrenwest- ostkirchlichen Verbindungen verfolgbare Zeugnisse eines beson-ders seit dem Bilderstreit einsetzenden Stromes byzantinischer Gnaden-bilder nach dem Westen angesehen werden, dessen spätere Wellen sichdurch die Kreuzzüge und durch die latente Bedrohung durch die Türkenbesonders seit dem Fall von Konstantinopel abzeichnen. Das für die abend-

271) A. Weixlgärtner, Führer durch die Geistliche Schatzkammer, Wien 1932, 55,Nr. 156; Johann Georg Herzog zu Sachsen, Ein Athosbild in der Geistlichen Schatz-kammer der Wiener Hofburg( Byzantinische Zeitschrift XX, 1911).

272) Es ist dies Maria Candia bei den Siebenbüchnerinnen( Original nichterhalten; ein kleines Andachtsbild in der Sammlung Eckl, Museum der Stadt Wien,derzeit leider nicht zugänglich), deren ikonographischer Typus aus BeschreibungenFuhrmanns( M. Fuhrmann, Altes und Neues Wien... Lintz 1738-39, 257) und inRealis: Curiositäten- und Memorabilienlexikon von Wien, Wien 1846, II, 315,erschlossen ist: Maria hält das Jesuskind, das auf einem Tisch steht, mit beidenHänden; es erteilt mit der rechten Hand den Segen. Nach einem Attest KaiserFerdinands III. vom 2. 1. 1656 sei es ihm von Feldmarschall Pompei übergebenworden, der es von einem Gubernator einer Stadt auf Kreta empfangen habe. Eswäre auch in Kreta immer als ein Gnadenbild gehalten worden. 1656 kam es zu denSiebenbüchnerinnen. Dieser Typus ist kein byzantinischer Ikonentypus, eskönnte sich nur um eine Rückwirkung eines italienischen Madonnentypus, etwaGiovanni Bellinis, handeln. Vgl. Gugitz, Gnadenstätten, I, 37.

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