Loretokultes 222) in Niederösterreich ungewiß. Diese Annahme dürfte aufeine nachträgliche, durch den romanischen Turm aus dem 3. Viertel des13. Jahrhunderts, den jetzigen Hauptchor der Kirche, angeregte aitiologischeLegende zurückgehen, die ihren Ursprung der Loretoverehrung des 17. Jahr-hunderts verdankt. Tatsächlich wird von der Wiederaufnahme der Wall-fahrten 1640 berichtet 223).
Durch P. Christoph Bachauer, den Beichtvater der Deutschen in Loretoangeregt, wurden im 17. Jahrhundert in Deutschland genaue Kopien derCasa Santa errichtet, während Urban VIII. für Italien solche Nachbil-dungen verbot, damit die Mutterwallfahrt nach Loreto keine Einbuẞeerleide 224). Der Ausgangspunkt für Österreich war die Erbauung der Maria-Loreto- Kapelle als Kopie der italienischen Kapelle durch die Kaiserin Eleo-nore von Mantua im Schiff der Hofkirche St. Augustin in Wien 1625-27 225);sie gab für die Verehrung der Maria Loreto in der Folgezeit einen dynastischbestimmten Mittelpunkt ab 226). Alle weiteren bei Beissel angeführten Bei-spiele liegen später und sind entweder von Grundherren( meist infolge einesGelübdes) 227) oder von Klöstern 228) erbaut worden. Wallfahrtsbildend wur-den diese Nachbildungen des heiligen Hauses außer in St. Augustin in Wienselbst nur in Jedlesee.
Zusammenfassend ergibt sich von den dinglichen Grundlagen dermagisch- kultischen Verehrung, daß die phänomenologisch erschlosseneMutterschicht, deren historische Wurzel in der Prähistorie nur durch analogeBeispiele erläutert werden kann, eine durchgängige Disposition abgibt, wennauch ihre primäre kultbildende Kraft seit dem 2. Viertel des 18. Jahrhun-derts zurückzugehen scheint. Aus der Wechselwirkung von Anlaß und An-erkennung, die bei der Gründung von Kultorten maßgebend war, und ausden Belegen( vgl. die chemische Untersuchung des Brunnens in Neusiedla. d. Zaya) ist auf einen steigenden Kritizismus der die Wallfahrten för-dernden Schicht des Klerus zu schließen. Dies bedeutet nicht nur, daß dieMehrzahl jener Kultorte, die der oben erwähnten„ Mutterschicht" ange-hören, christliche Gnadenstätten geworden sind, sondern vielleicht, daß all-gemein innerhalb der Oberschicht eine Verlagerung des kultischen Inter-esses vom primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven zum bildhaften Gegenstand stattfindet; das heißt, dieVerehrung der Bilder scheint zumindest in dieser Oberschicht die derQuellen, Steine und Bäume usw. abgelöst zu haben. Die Grundlagen deschristlichen Wallfahrens, das Märtyrergrab und die Reliquien leben z. T.( wie das Kolomangrab in Melk) in der Verehrung konstant weiter, bzw.erfahren seit der Gegenreformation, von Dynastie und Orden ausgehend,
222) A. Missong, Heiliges Wien, Wien 1948, 46.
223) Maurer- Kolb, 207.
224) Beissel, 16. u. 17. Jh., 444.
225) Die Verehrung der Casa Santa in Loreto war habsburgische und wittels-bachische Familientradition seit der Gegenreformation( vgl. Beissel, 16. u. 17. Jh.,442 f.).
226) Ab Ferdinand IV.( gest. 1654) wurden die Herzen der Mitglieder desKaiserhauses in der Loretokapelle bestattet( Missong, a. a. O., 47; C. Wolfsgruber,Geschichte der Loretokapelle zu St. Augustin in Wien, Wien 1886).
227) So Jedlesee durch Antonia Renata Gräfin Boucquoy, geb. Gräfin Czernin;Inzersdorf durch den Grafen Montecuccoli, St. Leonhard am Forst vor 1723 alsBegräbnisstätte der Grafen Auersperg, Straß in Niederösterreich 1666, Zwentendorfin Niederösterreich 1711.
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228) Zisterzienserkloster Gottstal( Ruine) in Säusenstein.
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