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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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dert vorangegangen ist, setzt seit dem 3. Jahrhundert ein 192) und steht amAnfang einer christlichen Wallfahrt, wenn diese auch nicht absolut an dasVorhandensein von Reliquien geknüpft zu sein scheint und auch hier außer-religiöse Bezüge eine Rolle gespielt haben werden 193). Die nächste Etappein der Entwicklung des späteren Reliquienkultes war der Versuch, derReliquiensucht entweder durch Teilung( nach Kötting die orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalischeMethode) oder durch Schaffung von Berührungsreliquien( wie zunächst inAbendland Glossar ::: zum Glossareintrag Abendland verfahren wurde) entgegenzukommen.

In unserem Zeitraum finden sich nun Reliquien, die, im hohen Mittel-alter erworben, eine durchgängige Verehrung genossen und auch solche, dieihre Erwerbung der neuen Welle der Reliquienverehrung der Gegenrefor-mation verdanken; neben diesen sind die sogenannten Katakombenheiligenanzuführen 194). Zu ersteren gehören die Kreuzpartikelreliquien in Melk 195)und Heiligenkreuz 196), die Reliquie der Hl. Dornenkrone ebendort 197) unddas Haupt aus der Gesellschaft der Hl. Ursula 198), heute auf dem Betchordes Ursulinenklosters in Wien. Mehr in das Gebiet der Berührungsreliquiegehört der Stein, auf dem angeblich die Marterung des Hl. Koloman voll-zogen wurde und den Rudolf IV. für St. Stephan in Wien erworben hat undüber dem Bischofstor einmauern ließ 199).

Der gegenreformatorische Reliquienkult dürfte wohl durch eine un-unterbrochene Tradierung der Verehrung in den katholischen Herrscher-häusern gestützt worden sein, wie die Geschichte der Erwerbung der Re-liquie des Hauptes der Hl. Elisabeth( heute Klosterkirche St. Elisabeth,Wien III.) beweist 200), und die Erwerbungen der Habsburger zeigen 201).1721 erhielt die Wiener Geistliche Schatzkammer von Karl VI. das Schweiß-

192) B. Kötting, Peregrinatio religiosa, Wallfahrtswesen in der Antike und dasPilgerwesen in der alten Kirche( Forschungen zur Volkskunde, herausgegebenvon G. Schreiber, 33-35, Regensburg 1950, 290 ff.). Vgl. auch A. Grabar, Martyrium,Recherches sur le culte des reliques et l'art chrétien antique, 3 Bde., Paris 1943, undL. Hertling- E. Kirschbaum, Die römischen Katakomben und ihre Martyrer, 2. Aufl.,Wien 1955.

193) So wurde die Hl. Thekla in der ersten Heiligenwallfahrt überhaupt nichtan ihrem Grab, sondern in Seleukia in Isaurien, Kosmas und Damian nicht anihrem Grab, sondern in Konstantinopel verehrt( Kötting, a. a. O., 194 f.).

194) G. Schnürer, Katholische Kirche und Kultur in der Barockzeit, Paderborn1937, 109.

195) OKT III, 179.

196) OKT XIX, 193, Fig. 145.

197) G. Lanz, O. Cist, Über die Heiligenkreuzer Dornreliquie( Monatsblatt desAltertumsvereins zu Wien V, 1896, 78 ff.).

198) Die Reliquie wurde angeblich 1278 den Dominikanerinnen in Tulln vonRudolf I. geschenkt, 1692 sind die Authentica verbrannt. Am 26. 4. 1786 kam dieReliquie zu den Ursulinen.

199) Gugitz, Feste, II, 133, Abb. 25. Hier auch der Beleg einer durchaus magi-schen( Berührungs-) Verehrung. Vgl. auch Gugitz, Gnadenstätten I, 38 ff.

200) Der protestantische Landgraf Philipp von Hessen gelangte 1546 in dieGefangenschaft Karls V. und mußte sich zur Rückgabe der Reliquien verpflichten.1548 erfolgte die Übergabe, 1588 vermachte der Hoch- und Deutschmeister ErzherzogMaximilian( 1618) seiner Schwester, der verwitweten Königin Elisabeth vonFrankreich( 1592, Stifterin des Klarissenklosters in Wien) Haupt und zwei Schien-beine der Hl. Elisabeth. Die Reliquien blieben dort bis 1782, nach der Aufhebungdes Klosters kamen sie zu den Elisabethinerinnen( A. Missong, Heiliges Wien, Wien1948, 143).

201) Vgl. dazu A. Lhotsky, Festschrift des Kunsthistorischen Museums in Wienzur Feier des 50jährigen Bestandes: Die Geschichte der Sammlungen, I. Teil, Wien1941, 21, 23, 26, 62, 88, 128, 337 f., 371.

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