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Studien zum griechischen Märchen
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Kapitel 6

VERWANDLUNG UND TOTENAUFER-STEHUNG ALS GATTUNGSELEMENTE DERGRIECHISCHEN VOLKSLITERATUR

Es gibt gewisse Themen, die, nach Maßgabe ihrer Häufigkeit in den ver-schiedenen Gattungen der Volksliteratur, den plastischen Ausdruck tiefererEinstellungen bilden, die ihnen zugrundeliegen. Solche Themen sind dieVerwandlung und die Auferstehung der Toten. Ihre komparative Untersu-chung im Volkslied, dem Zaubermärchen und der Sage und Überlieferung,sowie die Zusammenstellung der einschägigen Ergebnisse, soll der Gegen-stand der vorliegenden Studie sein.

Der Glaube an die Verwandlung ist eine der grundlegenden Vorstellungender sogenannten Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven, die dafür halten, daß die Macht der Verwand-lung, wann und wo man will, jedes Wesen der übernatürlichen Welt habe,oder doch jedes Wesen, das in Beziehung zu dieser steht. In der Mythologieder Kulturvölker haben die Kraft der Verwandlung normalerweise nur dieGötter( Zeus, Athena, Odin, ägyptische Gottheiten usw.) 216. Bei den AltenGriechen war das Thema der Verwandlung besonders beliebt, bis in diehellenistische und römische Zeit, wo wir das Motiv in den Werken gelehrterDichter antreffen, allerdings als ein philologisches Thema; die Metamorpho-se bildet nicht mehr Teil des Glaubens dieser Dichter217. In der Neuzeit istdie Verwandlung, mit ihrem primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv- magischen Charakter Widerhall einerarchetypischen menschlichen Glaubenseinstellung, nur mehr in der Volksli-teratur der Kulturvölker anzutreffen 218. In der griechischen Volksdichtungkönnen wir folgende Abstufungen dieses Themas beobachten: es ist sehrhäufig in den Märchen, häufig in den Sagen und Überlieferungen, fastinexistent in den Volksliedern, wo sie einfach in Form gewisser metaphori-scher poetischer Bilder anzutreffen sind. Wir führen in der Folge die Einzel-fälle der Volkslieder an und weisen auf die entsprechenden Motive in denMärchen und Sagen hin, um die Unterschiede zwischen der magischen und-sagen wir- poetischen Verwandlung herauszuarbeiten.

216 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens III( 1936) Sp. 1626ff.( Verwandlung).217 Vgl. I. Th. Kakridis, Apai. Athen 1929, S. 87. Zu den griechischen Metamophosen" sieheG. Lafaye, Les métamorphoses d'Ovide et leurs modèles grecs. Paris 1904( eine Zusam-menfassung seiner Ansichten auch in der Ausgabe der Metamorphosen" von Ovid in derReihe G. Budé, Bd. I, S. IV- VI).

218 Zu den Motiven der Metamorphose in der Volksliteratur allgemein Motif- Index, Bd. 6,S. 807.

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