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Studien zum griechischen Märchen
Entstehung
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Kapitel 9

ANMERKUNGEN ZU EINER KLEINASIATI-SCHEN MÄRCHENSAMMLUNG

Die Märchensammlung von Kalliope Musaiu- Bujuku aus den bis 1922 griechi-schen Siedlungsgebieten von Livisi und Makri im Süden der kleinasiatischenÄgäisküste( östlich von Rhodos und westlich von Kastellorizo, im antikenLykien), erschienen Athen 1976, gehört sicherlich zu den bedeutendsten Mär-chenpublikationen der letzten zwanzig Jahre 349. Und dies aus mehreren Grün-den: zunächst stellen sie als dialektische Volkstexte der oralen Tradition Sprach-denkmäler ersten Ranges zum anatolischen Hellenismus dar³50( die Texte sindim Originaldialekt mit Übersetzung ins Standardgriechisch gebracht), sindferner auch interessante Kulturdenkmäler einer sonst ziemlich abgeschlossenen,allerdings rein griechischen Minderheit auf relativ beschränktem Gebiet³51, einTeil der 43 aufgezeichneten Märchen( nämlich Nr. 1, 5, 6, 8, 11, 14, 15, 17, 18,20, 34, 36 und 40) stammen aus einer Handschrift des Großvaters der Sammlerin,Michael Musaios( 1829-1896), der auch sprachwissenschaftliche und literari-sche Werke hinterlassen hat 352, und sind etwa um 1850 aufgezeichnet worden.Dieser Teil der Aufzeichnungen bildet also eine der ältesten griechischenMärchensammlungen überhaupt³53. Die übrigen Märchen wurden von seinerEnkelin im Zeitraum von 1949- 52 in Nea Makri in Attika aus dem Mund vonFlüchtlingen aufgezeichnet. Es geht also um ein paramythologisch" hochin-teressantes Märchenmaterial, allein schon durch die geographische Lage an derSüdwestecke Kleinasiens zwischen Ägäis und Ostmittelmeer; die rein sprach-liche Dimension des Forschungsinteresses an diesen Volkstexten muß hier leiderentfallen, da sich die Kommentare im wesentlichen auf den Inhalt beschränken.Nach Maßgabe der Unzugänglichkeit dieser Dialekttexte für die vergleichendeMärchenforschung wird den einzelnen Märchenkommentaren jeweils einekurze Inhaltsanalyse der aufgezeichneten Version vorangestellt.

349 Kalliope Musaiu- Bujuku, Пapauб0ia tov Aißioiov Kai τng Máкpne. Athen 1976. DieselbeVerfasserin hatte schon eine umfangreiche Sprichwortsammlung ebenfalls aus ihrer ein-stigen Heimat vorgelegt( Παροιμίες του Λιβισιού και της Μάκρης. Athen 1961).350 Zum Idiom dieser griechischen Sprachinselgruppe Nik. P. Andriotis, To Idiopa tovΛιβισιού της Λυκίας. Athen 1961.

351 Vgl. auch die volkskundliche Studie von G. Lameras, H Máкpn кai to Aiẞio. Athen 1964,sowie die ausfühliche Einleitung von D. A. Petropulos in den Sprichwortband der Verfas-serin( Anm. 349).

352 M. I. Musaios hat auch ein Lexikon seines Heimatdialekts hinterlassen( Barτapioдoi oλεξιλόγιον της Λειβησιανής διαλέκτου. Athen 1884), sowie ein dramatisches Werk: DieHochzeit des Malonis Antifatis"( jetzt veröffentlicht mit einer Einleitung von W. Puchnerin Deltio Kentru Mikrasiatikon Spudon 5( 1984/85) S. 275- 359).

353 Zur Geschichte der griechischen Märchenforschung G. A. Megas, Der griechische Mär-chenraum und der Katalog der griechischen Märchenvarianten. Internationaler Kongreẞder Volkserzählforscher in Kiel und Kopenhagen. Berlin 1961( Nachdruck Laografia 25,1967, S. 298 305).

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